Josef Skvorecky - Feiglinge

Originaltitel: Zhabelci
Roman. Deuticke 2000
494 Seiten, ISBN: 3216304493

Mai 1945 in einer tschechischen Kleinstadt, dem ehemaligen "Protektoreat Böhmen und Mähren". Der Krieg ist eigentlich zu Ende, aber die Deutschen sind noch in der Stadt. Die Front nähert sich. Die Jugend der Stadt spricht von der Revolution - oh ja, da wollen sie alle dabeisein, zu Helden werden.

Allen voran Danny, der Erzähler dieser Geschichte. Er ist gerade 19, denkt immerzu an Irena - obwohl die bereits einen anderen Freund hat, und natürlich an seine Musik, an Jazz. Nun ja - immerzu an Irena denken geht natürlich auch nicht - vor allem dann nicht, wenn plötzlich ein anderes hübsches Mädel vor ihm steht.

Aber beeindruckt könnte sie schon sein, die liebe Irena, wenn sie ihren Helden zurückkehren sieht. Nur für sie, so erklärt er ihr, macht er das alles mit - diese Revolution, bei der die Stadtältesten zu allem und jedem ein Abkommen mit den Deutschen haben. Und die ganze Staatsaktion soll einzig und allein aus 3-stündigen Wachstreifen durch die Stadt bestehen? Noch nicht mal Waffen dürfen sie verwenden - nein, nichts für Danny… der dann später doch noch die Möglichkeit erhält, sich als Held zu beweisen…

Ich habe dieses Buch über sehr weite Strecken hinweg mit ganz großem Vergnügen gelesen. Geschildert wird das Geschehen aus der Sicht eines 19jährigen - manchmal naiv, manchmal überraschend weise, aber immer mit einer gehörigen Portion Ironie. Und es hat mich in seiner Schelmenhaftigkeit auch an den "braven Soldaten Schwejk" erinnert.

Als die historischen Ereignisse das kleine Städtchen dann aber zu überrollen beginnen, kann der Autor den Galgenhumor nicht mehr ganz durchhalten. Die Kritik an den Deutschen, an den eigenen Leuten, die mit ihnen gemeinsame Sache gemacht hatten, mit Krieg ganz im Allgemeinen kam zuvor auch durch - aber auf eine Art und Weise, dass einem beim Lachen auch die Tränen kamen. Gegen Ende hin moralisiert er aber stärker, und hält auch das gemächliche, reflektierende Erzähltempo nicht mehr.

Aber trotzdem, alles in allem: ein Buch, das ich auf jeden Fall weiterempfehle, dem ich noch viele Leser wünsche!

Josef Skvorecky

Josef Skvorecky, 1925 in der ostbähmischen Kleinstadt Nachod geboren, emigrierte 1968 nach dem sowjetischen Einmarsch. Er lebt heute in Kanada und ist - mittlerweile emeritierter - Professor für Englisch und Film, Übersetzer und Schriftsteller. Gemeinsam mit seiner Frau Zdena gründete er in Toronto auch den Exilverlag Sixty-Eight Publishers, in dem zwischen 1968 und 1989 die maßgebliche tschechoslowakische Literatur in der Originalsprache erschien.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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