Antonio Skarmeta - Das Mädchen mit der Posaune

Originaltitel: La chica del trombón
Roman. Piper Verlag 2002
305 Seiten, ISBN: 349204431X

Magdalenas Ankunft in der kleinen chilenischen Stadt Antofagasta war seltsam genug; das kleine Mädchen wurde von einem Posaunenspieler abgeliefert. Aus dem kriegsgebeutelten Europa hatte man sie in ein Körbchen gesteckt und übers Meer geschickt.

Ganz hat sich das Rätsel um ihre Herkunft nie gelöst, und ob sie wirklich Stefanos Enkelin ist? Auch daran zweifelte sie von Zeit zu Zeit. Aber er bereitete ihr trotz seiner Krankheit eine recht unbeschwerte Kindheit - und verwehrte ihr ihre Leidenschaft nicht, das Kino.

Filme anzusehen, sie nachzuspielen, komplette Dialoge zu rekonstruieren, das war das Hauptvergnügen ihrer kleinen Bande; und immer war das große Ziel im Hinterkopf: eines Tages gehe ich nach New York...

Was mich beim Lesen eines früheren Romans von Skármeta, "Mit brennender Geduld", so angerührt hatte, der leichte Tonfall, die unglaublichen Wendungen, die Herzlichkeit - all das wollte der Autor ganz deutlich auch in diesem Buch wieder schaffen, er wollte die Magie wieder entstehen lassen.

Für mich ist ihm das nur leider nicht gelungen. Nicht nur, dass mich Magdalenas Schicksal von Anfang an einfach nicht zu fesseln vermochte - auch die Erzählweise konnte mich nicht in den Bann ziehen. Von Eintauchen oder Versinken war keine Rede mehr, und das wunderbare warme Gefühl im Bauch, das "Mit brennender Geduld" verursacht hatte, konnte sich gar nicht einstellen.

Dass man hier wirklich von den widersprüchlichen Gefühlen und Handlungen eines jungen Mädchen lesen sollte, war nicht glaubhaft - die Figur, so schien es mir beim Lesen, blieb auch dem Autor fremd. Es fehlt dieses kaum zu benennende Etwas, das aus etwas Geschriebenem etwas Lebendiges schafft.

Antonio Skarmeta

Antonio Skármeta, geboren 1940 in Antofagasta, Chile, war bis zu seiner Emigration nach Deutschland Dozent für lateinamerikanische Literatur an der Universidad Santiago de Chile. Er schrieb Romane, Erzählungen, Hörspiele und Drehbücher. Skármeta verbrachte seine Exiljahre in Berlin, lebte von 1989 bis 2000 wieder in Santiago de Chile und ist inzwischen chilenischer Botschafter in Deutschland.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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