Georges Simenon - Maigret und die Bohnenstange

Originaltitel: Maigret et la grande perche
Krimi. Diogenes 2002
202 Seiten, ISBN: 3257208081

Dass die Frau eines Einbrechers zur Polizei geht, um von der letzten "Arbeit" ihres Ehegespons zu erzählen und die Staatsdiener um Ermittlung zu bitten, kommt eigentlich nie vor. Noch dazu hatte in diesem speziellen Fall Maigret die Bekanntschaft der entsprechenden Dame bereits einmal gemacht: vor Jahren hatte er sie verhaften müssen - und war mit der unangenehmen Situation konfrontiert worden, dass sie sich geweigert hatte, sich irgendetwas anzuziehen.

Nun saß sie also vor ihm, Ernestine Jussiaume, genannt die Bohnenstange, und bat Maigret wie einen alten Bekannten, der Sache nachzugehen. Ihr Mann, in Fachkreisen auch bekannt als der Traurige Alfred, war sich so sicher gewesen, dass er diesmal endlich den erhofften Gewinn bei seinem Einbruch erzielen würde. Den Tresor hatte er vor Jahren selbst eingebaut, und auch sonst stellten sich ihm keine Schwierigkeiten in den Weg; er war ein Profi und so leise, dass nicht einmal eine Katze von seiner Anwesenheit wach wurde.

Aber er konnte den Tresor nicht wie gewünscht leeren - denn der Strahl seiner Taschenlampe traf auf ein Frauengesicht. Ein totes, blutüberströmtes Frauengesicht, und damit wollte er nicht in Zusammenhang gebracht werden. Er floh aus Paris - allerdings nicht, ohne zuvor seiner Frau die Geschichte erzählt zu haben.

Und nun saß sie also hier und bat Maigret, ihren Mann von diesem Mordverdacht zu befreien.

Die Anschrift des Hauses, in das Alfred einsteigen wollte, war rasch gefunden. Nur die Leiche nicht - und auch keine Spur des Einbruchs, der hier angeblich stattgefunden hatte. Doch etwas stinkt hier - und wessen Geschichte erlogen war, wollte Maigret unbedingt herausfinden...

Nachdem ich heute nachmittag meinen ersten Maigret-Fall gelöst hatte (Maigret und das Dienstmädchen) konnte ich die große Anziehung, die seine Bücher auf so viele Leser ausüben, nicht wirklich nachvollziehen. Nach diesem Krimi hier sieht das schon ganz anders aus.

Schon das erste Kapitel zieht den Leser auf so charmante Weise in die Geschichte hinein, dass man gar nicht anders kann, als weiterzulesen. Die Ausgangssituation mit der ehemaligen Prostituierten, deren Ehemann als Tresorknacker "arbeitet", hat sehr viel Witz und stimmt auch bereits auf den weiteren Tonfall des Buches ein.

Sehr flott und stringent erzählt, nicht ohne die nötige Portion Humor, geht es dann weiter, bis zum Showdown und der zwar nicht wirklich überraschenden, aber gut geschilderten Auflösung.

Man kann sich allerdings heutzutage eine Ermittlung kaum vorstellen, die von solchen Mengen Bier und Pernot begleitet wird; auch bleibt zwischendrin immer eine Menge Zeit, die man in Bistros mit dem Wirt plaudernd (und natürlich auch etwas trinkend) verbringen kann. Ein sehr französisches Flair - und ein wirklich unterhaltsamer Krimi mit dem gewissen, augenzwinkernden Etwas.

Georges Simenon

Georges Simenon, geboren am 13. 2.1903 in Lüttich, hat im Laufe seines Lebens mehr als 300 Romane geschrieben. Am bekanntesten wurde sein Ermittler Maigret. Ständige Ortswechsel und manisches Schreiben bestimmen 30 Jahre sein Leben, bevor er sich in der Schweiz niederlässt. Er starb am 4.9.1989 in Lausanne.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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