Originaltitel: Esav
Roman. Diogenes 1994
492 Seiten, ISBN: 3257228287

Esau ist nach 30 Jahren wieder von Amerika nach Israel zurückgekommen, um sich um seinen kranken Vater zu kümmern, und somit seinen Zwillingsbruder Jakob zu entlasten.
In Rückblenden erzählt er die Familiengeschichte; wie es kam, daß sein Vater Abraham sich damals in Sara verliebte, beim ersten Anblick - und dennoch zutiefst unglücklich mit ihr war, als er sie erst geheiratet hatte, da sie sich in der Familie nicht zurechtfand - und er ihr keine Unterstützung bot.
Nach der Geburt der Zwillinge, und als die Situation in Jerusalem unerträglich geworden war, zog die Familie aufs Land, um eine eigene Bäckerei aufzumachen.
Neben vielen Familienstreitigkeiten bekommt eines bald die Vorherschaft: Beide Brüder verlieben sich in die selbe Frau, Lea, und werben auf unterschiedlichste Art und Weise um sie.
Jakob ist zwar derjenige, der sie dann heiratet und der auch die Bäckerei erbt; doch glücklich wird auch er nicht mit ihr, denn als der älteste Sohn Benjamin im Krieg stirbt, zieht Lea sich in eine Traumwelt zurück, überläßt ihm die Pflege der Tochter Romi, und auch des Sohnes Michael, der viel später geboren wird.
Romi, die auf sehr eigenartige Weise ihrer Großmutter ähnelt, findet in ihrem Onkel Esau einen Förderer der besonderen Art... Irgendwann in dem Buch kam der Ratschlag vor, man möge sich beim Lesen eines Buches die Namen der Hauptpersonen und ihre Verbindung zueinander aufschreiben - ein Tip, der in diesem Fall wirklich sehr angebracht scheint (hinten befindet sich eine Liste der Hauptpersonen, nur zur Information).
Die Geschichte strotzt geradezu vor bunten Bildern, wilden Geschichten, oft märchenähnlich, phantastischen Übertreibungen und einer Sprache, die für jede Beschreibung einen unbeschreiblichen Vergleich findet.
Es ist eine große Ähnlichkeit zu den Romanen von Marquez und Rushdie zu erkennen - auch wenn ich persönlich der Meinung bin, daß diese beiden ihr Handwerk noch etwas besser verstehen.
Anfangs hatte ich versucht, den roten Faden in der Geschichte zu behalten. Als ich dieses Ansinnen aber aufgegeben und mich völlig in die Geschichte fallen gelassen habe - war er plötzlich ganz automatisch da, der rote Faden.. Auch wenn er nicht gerade deutlich vorschimmert.
Weiters sollte man zwischen den einzelnen Lesephasen nicht zu viel Zeit verstreichen lassen, da sonst unweigerlich vieles verloren geht.
Es sind sehr sehr viele amüsante Details dabei, die man sich auf der Zunge zergehen lassen kann: den Vater, der nach einer neuen Familie forscht, weil er mit der, die er nun mal hat, nicht zufrieden ist;
Der Cousin Simeon, der der wandelnde Schatten Jakobs ist;
Chez-nous-á Paris; eine Friseuse, die das gesamte Dorf mit ihren Liebesratschlägen versorgt;
Der Bibliothekar Jechiel, der sich in ein Mosaik unsterblich verliebt..
Und und und!
Vor allen Dingen ein gutes Buch für verregnete Wochenenden!
Meir Shalev ist so alt wie sein Land. Er wurde 1948 in Nahalol geboren und lebt heute in Jerusalem. Mit 19 Jahren kämpfte er im Sechstagekrieg und wurde schwer verwundet. An der Hebrew University in Jerusalem studierte er Kunst und Psychologie. Dann arbeitete er als Rundfunkautor. Als Shalev vor gut zehn Jahren zu Schreiben begann, war er bereits ein erfolgreicher Fernsehmoderator. Neben Büchern verfaßt er regelmäßig Beiträge für Zeitungen und Zeitschriften, wobei seine Artikel über politische Probleme in Israel großen Wiederhall finden. Shalev gehört inzwischen zu den bekanntesten Schriftstellern Israels.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
©03.01.1999 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2010 LESELUST Daniela & Markus Brezing