Markus Seidel - Umwege erhöhen die Ortskenntnis

Originaltitel: Umwege erhöhen die Ortskenntnis
Roman. Rütten & Loening 1998
144 Seiten, ISBN: 3352005478

Der Ich-Erzähler sitzt in Berlin in einer Bar, läuft durch die Straßen der Stadt - und hat ansonsten im Moment wenig zu tun. Er fühlt sich verloren und kann seinen Bruder immer mehr verstehen, der sich vor einem Jahr plötzlich das Leben genommen hat. Doch während er noch seinen trübsinnigen Gedanken nachhängt, riecht er beim Spazieren einen vertrauten Duft, der ihn an seine glückliche Zeit in Wien erinnert.

Spontan beschließt er, seine Freunde dort für eine Woche zu besuchen, ruft Anne an, die sich sehr freut.

Als der Zug in Prag hält, folgt er wieder einer Augenblickslaune und beschließt, sich die Stadt anzusehen. Zufällig trifft er auf einen alten Freund aus Wiener Tagen, lernt dessen Cousine kennen, deren Nacken so ziemlich das Schönste ist, was er jemals gesehen hat.

Doch endlich in Wien, ist auch die Zeit mit Anne wunderbar; Anne, seine alte Freundin, die er plötzlich mit anderen Augen zu sehen beginnt….

Ein toller, starker Anfang - danach hat das Buch leider ein wenig nachgelassen. Es wurden viele vertraute Stimmungen geschildert, Gewohnheiten, Rituale.

Der Ich-Erzähler ist ein Anti-Held; er läßt sich treiben, hat ja auch eigentlich nichts zu tun (kleine Anmerkung: hätte mich interessiert, wovon er lebt...) - und entdeckt zu einem Zeitpunkt, wo er es am wenigsten erwartet, wo er hingehört.

Ich habe es eigentlich ganz gerne gelesen - aber es ist kein Buch, das mich nachhaltig beschäftigt.

Markus Seidel

Markus Seidel wurde 1969 in Wilhelmshaven geboren und war bisher als Literaturkritiker tätig. Er studierte Germanistik und Philosophie in Hannover, Wien und Berlin.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©20.03.1999 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing