Originaltitel: Die Geschichte Europas
Roman. Goldmann Verlag 2002
288 Seiten, ISBN: 344215166X

Auf 280 Seiten die Geschichte Europas von den griechischen Göttern bis heute zu pressen lässt wenig Raum für detaillierte Schilderungen; aber das liegt auch gar nicht im Focus des Autors. Er will dem Leser mit diesem Buch einen Überblick geben, sein Schulwissen etwas auffrischen und durch die flapsige Erzählweise den einen oder anderen Erinnerungswert schaffen, da erzählte Geschichte sich stärker einprägt als Jahreszahlen.
Im Wesentlichen ist dieses Ziel auch gelungen. Wenn man nicht mehr von diesem Buch erwartet, als es leisten kann, dann empfindet man vielleicht so wie ich manche Epochen zu kurz abgehandelt, würde man gerne noch ein paar G´schichtln hinter der Geschichte dazu geliefert bekommen (diese G´schichtln kommen übrigens trotz der vollmundigen Ankündigung etwas zu kurz) - aber häufig hat die Straffung der Geschehnisse auch den positiven Effekt, Zeitabläufe besser miteinander in Verbindung bringen zu können.
Mein Manko ist seit jeher, dass ich ein Problem mit der Einordnung dessen, was ich über europäische Geschichte weiß, in die Zeittafel habe. Dagegen ist dieses Büchlein ganz hilfreich, auch wenn in der Taschenbuchausgabe sträflicherweise sowohl Stichwortregister als auch Zeittafel fehlen.
Was mich an dem Buch aber an manchen Stellen massiv gestört hat, war die Erzählweise. Hier gibt es sehr starke Unterschiede von Kapitel zu Kapitel; mal wird relativ objektiv erzählt, dann wieder wird die Sprache betont flapsig, biedert der Autor sich beim Leser an und fängt vor allem an, die Geschehnisse zu bewerten. Damit konnte ich mich bis zum Schluss nicht anfreunden.
Fremdwörter werden in der Regel sofort nach Erscheinen erklärt, und sehr häufig hätte ich mir gewünscht, der Autor hätte sich weniger Oberlehrermanieren bedient und dem Leser auch mehr zugetraut.
Außerdem wollte ich wissen, wohin die ganzen ->Verweise im Text führen, und habe dabei die Entdeckung gemacht, dass "Die Geschichte Europas" nur ein Auszug aus dem unfangreicheren Werk von Schwanitz, "Die Bildung" ist, und einzig um die Geschichte Europas nach dem 2. Weltkrieg erweitert wurde.
Entsprechend würde ich dieses schmalere Büchlein auch nur empfehlen, wenn man sich ausschließlich für den Teil "Geschichte" interessiert. Ansonsten lohnt sich die Investition in das nur wenig teurere, aber deutlich umfassendere "Bildung".
Dietrich Schwanitz, geboren 1940, stammt aus dem Ruhrgebiet und wuchs bei mennonitischen Bergbauern in der Schweiz auf. Er studierte Anglistik, Geschichte und Philosophie in Münster, London, Philadelphia und Freiburg. Von 1978 bis 1997 lehrte er als Professor für englische Literatur an der Universität Hamburg. Mit seinen Universitätsromanen "Der Campus" und "Der Zirkel" erreichte der Chefkritiker der deutschen Hochschulpolitik ein Millionenpublikum.
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