Originaltitel: Selbs Justiz
Krimi. Diogenes 1987
294 Seiten, ISBN: 3257215436


Als Selb von seinem alten Studienfreund Korten in den Chemiekonzern RCW gerufen wird, ist er etwas überrascht. Korten bittet ihn, einen kleinen Fehler in der Datenverarbeitung aufzuspüren - es waren Unregelmäßigkeiten im Netz aufgetreten.
Den Verursacher der Datenmanipulation hat Selb auch relativ rasch herausgefunden - Mischkey, der Freund einer Sekretärin. Korten will den Fall nur intern klären, nichts soll an die Öffentlichkeit gelangen - also gibt Selb den Namen weiter, Fall abgeschlossen.
Wenig später stirbt Mischkey bei einem Verkehrsunfall. Die Sekretärin, seine Freundin, wurde entlassen - und ihr kommt dieser Tod sehr eigenartig vor, sie weiß auch, dass Mischkey auf der Suche nach dunklen Punkten in der Vergangenheit der RCW war. So bittet sie Selb, sich noch einmal auf die Suche zu machen.
Die Geschichten, die Selb nun hervorkramt und untersucht, berühren auch seine eigene Vergangenheit, seine Fehler, die er während der Zeit des zweiten Weltkrieges als Nazi-Staatsanwalt begangen hatte....
Einerseits ein sehr spannender Krimi - aber darüber hinaus noch viel mehr. In diesem Buch stellt sich die Frage nach Verantwortung, Aufarbeitung der braunen Vergangenheit Deutschlands - und danach, ob man einem Menschen, der zum Mitläufer wurde, dessen Taten einfach so vergeben kann - wieweit das Verhalten danach die Schuld von früher aufwiegt.
Ein wichtiges Buch, das nachdenklich stimmt - und darüber hinaus auch noch packend zu lesen!
Bernhard Schlink - Student in Heidelberg und Berlin, wissenschaftlicher Assistent in Heidelberg, Darmstadt, Bielefeld und Freiburg. Promotion 1975 (Abwägung im Verfassungsrecht, 1976), Habilitation 1981 (Die Amtshilfe. Ein Beitrag zu einer Lehre der Gewaltenteilung in der Verwaltung, 1982). Professor in Bonn, Frankfurt und seit 1992 an der Humboldt-Universität zu Berlin. 1993 Gastprofessor an der Yeshiva-University New York. Gemeinsam mit Bodo Pieroth Autor des Lehrbuchs "Grundrechte" (11. Auflage 1995). Von 1988 - 2005 Richter des Verfassungsgerichtshofs für das Land Nordrhein-Westfalen.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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