Originaltitel: Reise zwischen Nacht und Morgen
Roman. dtv Der TaschenbuchVerlag 1995
372 Seiten, ISBN: 3423126353

Auch Cirkusdirektoren können in einem Haus leben, an die Pension denken - und Briefe empfangen.
So passiert es Valentin. Während der Circus nicht umherzieht, sondern sein Winterquartier bezogen hat, lebt er im Haus, das schon seinen Eltern als Winterquartier gedient hat. Und er sorgt sich - sorgt sich sogar sehr um die Zukunft seines Cirkus. Denn die Zeiten werden nicht besser für das wandernde Volk; und nach einem großen Brand sind fast nur noch Schulden da. Obwohl ihm das Herz blutet, denkt er daran, den Cirkus zu verkaufen.
Doch da kommt eines Morgens ein Brief - ein geradezu unglaublicher Brief. Nabil, sein Blutsbruder aus Kindertagen, hat es tatsächlich geschafft, ihn ausfindig zu machen! Und er ist in der Vergangenheit sehr, sehr reich geworden. Doch was hilft ihm das: er hat Krebs, hat nicht mehr lange zu leben, und möchte diese letzten Tage gerne in Gesellschaft des Circus verbringen - seinem Lebenstraum.
Trotz all der Risiken und Strapazen willigt Valentin sofort ein - denn auf diese Art hofft er, auch das Buch über die große Liebe seiner Mutter schreiben zu können…
So recht in Schwung kommt die Geschichte lange nicht. Nachdem Valentin den Brief erhalten hat, klar ist, er würde in den Orient fahren samt seinem Cirkus, und auch die Liebesgeschichte zwischen ihm und der Briefträgerin einen handfesten Anfang genommen hat, fragt man sich: und was kann jetzt noch kommen? Was willst du jetzt noch erzählen?
Doch dann wird es besser - denn kurz darauf ist Rafik Schami in seinem Element, dem Geschichtenerzählen. Und wenn er nicht versucht, die Rahmenhandlung voranzutreiben, (hier haben mir vor allem die Dialoge sehr missfallen), sondern seine Circusleute statt dessen erzählen lässt, merkt man: hier ist einer, der was von Geschichten versteht.
Ich persönlich hatte trotzdem so meine Schwierigkeiten mit dem Buch - unter anderem damit, dass alles, was er sieht, erlebt, hört, riecht, immer schon "das Beste" ist - diese Flut an Superlativen ermüdet ganz schön. Trotzdem: ein schönes Märchen!
Rafik Schami, 1946 in Damaskus geboren, lebt seit 1971 in der Bundesrepublik, arbeitete auf Baustellen und in Fabriken, studierte Chemie mit Promotionsabschluß. Seit 1982 freier Schriftsteller. Mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet. Er wohnt in Kirchheimbolanden.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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