Jean-Paul Sartre - Das Spiel ist aus

Originaltitel: Les jeus sons faits
Roman. Rowohlt Verlag 1947
149 Seiten, ISBN: 3499100592

Mit kaltem Gesicht steht Èves Mann dabei und sieht ihr zu, wie sie stirbt - um gleich darauf ein erschüttertes Gesicht zu zeigen, als Èves Schwester hereinkommt und sich von ihm trösten lässt.

Morgen sollte es soweit sein; morgen wollten sie auf die Straße gehen. Doch soweit kommt es nicht mehr - denn die Kugel eines Verräters trifft Pierre, den Revolutionär.

Beide finden sich in einer seltsamen Gasse wieder, wo sie sich in einer Schlange anstellen müssen - um dann am Amt zu erfahren, dass und von wem sie ermordet wurden. Danach können sie sich weiter frei in der Welt bewegen - sichtbar allerdings nur jenen, die so wie sie dem Reich der Toten angehören.

Ève entdeckt bei ihrem Besuch zu Hause, dass ihr Mann schon sehr erfolgreich dabei ist, ihre Schwester zu umgarnen - und dass sämtliche Beschwörungen, die sie an ihre Schwester sendet, von dieser nicht gehört werden können.

Pierre entdeckt währenddessen, dass der Verrat an ihrer Revolution viel weiter geht, als nur seinen Tod verursacht zu haben. Die ganze Gruppe sollte aufgegriffen werden - und auch er kann nicht mehr eingreifen, weiß, dass er ohnmächtig zusehen muss.

Die beiden begegnen sich - und verlieren sich ineinander. Diese Liebe haben sie während ihrer Lebenszeit verpasst - dabei wären sie beide doch füreinander bestimmt gewesen, das fühlen sie.

Und für Pärchen, die durch einen unglücklichen Zufall ihre Bestimmung nicht ausleben können, gibt es eine Sonderklausel: sie erhalten die Chance, ein zweites Mal ins Leben zurückzukehren, für 24 Stunden. Wenn sie es schaffen, in dieser Zeit keinen Zweifel an ihren Gefühlen aufkommen zu lassen, dürfen sie bleiben...

Meine Gefühle beim Lesen dieses Buches waren recht zwiespältig; erstens kannte ich schon viel vom Inhalt, wusste auch, dass es einem guten Freund aus gutem Grund sehr viel bedeutet.

Und doch - es konnte mich nicht ganz überzeugen. Ich bin über ganz unwesentliche Kleinigkeiten gestolpert, die mich irritiert haben; warum zum Beispiel die Begegnung zwischen Pierre und Ève im Totenreich auch vorherbestimmt sein musste, bereits im Buch eingetragen war?

Vielleicht lag mein Problem beim Zugang zu diesem Buch aber auch darin begründet, dass ich mich mit der Aussage nicht wirklich anfreunden kann, dass wir in unserem Leben nur dann wirklich "leben" können, wenn wir - haben wir unsere Bestimmung, unsere Liebsten erst gefunden - alles bisherige über Bord werfen, uns nicht mehr dafür einsetzen dürften.

Ich verstehe die Idee, dass wir uns auf das Wesentliche im Leben besinnen sollen, und nicht immer allem scheinbar Wichtigen den Vorrang geben sollten; doch was hier geschildert wurde war von einem Absolutheitsgedanken geprägt, den ich für mich nicht so akzeptieren kann.

Doch eines hat das Buch auf alle Fälle bei mir bewirkt: ich habe nachzudenken begonnen - was alleine schon für die Qualität des Romans spricht.

Jean-Paul Sartre

Jean-Paul Sartre wurde am 21. Juni 1905 in Paris geboren. Mit seinem 1943 erschienenem philosophischen Hauptwerk "Das Sein und das Nichts" wurde er zum wichtigsten Vertreter des Existentialismus und zu einem der einflussreichsten Denker der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Theaterstücke, Romane, Erzählungen und Essays machten in weltbekannt. 1964 lehnte er die Annahme des Nobelpreises für Literatur ab. Er starb am 15. April 1980 in Paris.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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