Originaltitel: Memorial do Convento
Roman. Rowohlt Verlag 1982
474 Seiten, ISBN: 3499223031
Portugal, Beginn des 18. Jahrhunderts. Der König ist, wiewohl schon seit einiger Zeit verheiratet, noch immer ohne Nachkommen. So verspricht er, in Mafra ein Franziskaner-Kloster zu errichten, wenn seine Frau ein Kind bekommt.
Balthasar Sieben Sonnen kehrt zu dieser Zeit aus dem Krieg zurück. Das Leben blieb ihm, dafür fehlt ihm nun der linke Arm. Angekommen in Lissabon, versucht er erstmal, eine Staatspension zu erlangen. Statt dessen trifft er wieder auf Pater Bartolomeu Lourenco, den er gerade erst bei Blimunda kennengelernt hatte. Blimunda hatte ihn während des Abtransports der Gefangenen der Inquisition, unter denen sich ihre Mutter befand, angesprochen, seither sind sie ein Paar.
Pater Bartolomeu heuert Sieben Sonnen an, ihm bei der Konstruktion eines Flugapparates zu helfen, den er konstruiert hat. Zum Fliegen werden unter anderem unzählige Willenskräfte benötigt, die Blimunda dank ihrer Gabe, in den Menschen hineinsehen zu können, sammelt. Als die Inquisition dem Pater auf den Fersen ist, wird der Riesenvogel erstmals erprobt. Nach der Landung wird der Pater verrückt - und Sieben Sonnen und Blimunda machen sich auf nach Mafra.
Hier hat der Bau des Monsterklosters bereits begonnen, auch Balthasar findet Arbeit. In mühevoller Kleinarbeit schinden sich hier tausende Arbeiter - als der König dann beschließt, die Einweihung müsse 1730 stattfindetn, werden die Männer in Scharen wie Gefangene zur Baustelle geführt, um hier zu schuften. Dafür, daß das Buch beinahe 500 Seiten hat, läßt sich nicht viel Handlung herauslesen. Alles wird unheimlich weitscheifig erzählt - und das auch noch in einer antiquierten, barocken Sprache. Da sich ein Großteil der Handlung in Nebensätzen abspielt, kann man noch nicht mal diagonal lesen.
Aber man wird immer wieder von schönen Stellen belohnt - wie zum Beispiel bei der Schilderung, warum auch Gott nur eine Hand hat etc.
Trotzdem kann ich nicht sagen, daß es schlecht war. Die ersten 70 Seiten waren zwar reinste Qual, doch danach begann so was ähnliches wie Handlung - und das letzte Drittel las sich gut in einem weg.
Es ist auf alle Fälle ein Buch, bei dem ich unzählige Male eingeschlafen bin. Wer es also lesen möchte, sollte am besten folgendes beachten:
Sei gefaßt auf eine schwülstige, ausufernde Sprache, Sätze, die sich über ganze Seiten hinziehen, indirekte Rede ohne Punkt und Komma
Erwarte keine Spannung, sondern erfreue dich an kurzen Momenten, da die Sprache Saramagos wirkliche Lichtblicke bietet,an seiner Ironie - und sei darauf gefaßt, daß du sehr aufmerksam lesen mußt, um dir diese Lichtblicke nicht entgehen zu lassen
Als Leseort empfehle ich einen absolut spartanischen Ort, der keinerlei andere Form der Zerstreuung anbietet.
José Saramago wurde am 16. November 1922 in einem Dorf in der portugiesischen Provinz Ribatejo geboren. Er entstammt einer Landarbeiterfamilie. Nach dem Besuch des Gymnasiums arbeitete er als Maschinenschlosser, technischer Zeichner und Angestellter. Später war er Mitarbeiter eines Verlages und Journalist bei verschiedenen Lissabonner Tageszeitungen. Ab 1966 widmete er sich verstärkt der schriftstellerischen Tätigkeit. Während der Salazar-Diktatur gehörte er zur Opposition. 1998 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.
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