James Salter - Verbrannte Tage

Originaltitel: Burning the Days - Recollection
Roman. Berlin Verlag 1997
507 Seiten, ISBN: 3442729882

James Salter, 1925 geboren, erzählt hier von seinem Leben; wie er, eigentlich gegen seinen Willen, nach West Point kam, die amerikanische Elite-Militärakademie schlechthin. Schon sein Vater hatte den Drill dort ertragen - ihm habe der Aufenthalt dort innere Festigkeit verliehen, meinte er.

Im ersten Jahr kämpft James sehr mit der Unterdrückung jeglichen freien Willens, der Schikane, der die Frischlinge ausgeliefert waren - doch nach einem Jahr kam die Wandlung, war der Schritt erreicht - er war Teil des Ganzen geworden.

In den letzen Jahren des zweiten Weltkriegs wurde er zum Piloten ausgebildet. Nach mehr oder weniger langweiligen Einsätzen in Nordamerika und Hawaii die große Möglichkeit: Man konnte sich freiwillig für den Korea-Krieg melden. Den Flugeinsätzen dort ist ein großer Abschnitt des Buches gewidmet.

Immer schon spielte Literatur in seinem Leben eine große Rolle; und nach der Veröffentlichung seines ersten Romans nimmt er seinen Abschied von der Air Force und widmet sich einem Leben als Schriftsteller.

Er landet im Filmgeschäft, Drehbücher verfassen, lernt eine Menge interessanter Menschen kennen, reist viel, vor allem in Europa - bis er sich entschließt, sich nun gänzlich dem narrativen Erzählen zuzuwenden, und weitere Romane schreibt....

Wer die unglaublich anmutige, zarte Prosa eines James Salter in "In der Wand" oder den "Lichtjahren" kennen gelernt hat, wird vielleicht auch neugierig auf den Mann sein, der all dies zum Leben erwecken konnte.

So ging es mir zumindest. Mit großer Vorfreude hatte ich mich auf die verbrannten Tage gestürzt - und war nach einem knappen Drittel knapp dran, es nur angelesen beiseite zu legen und nicht wieder fortzufahren.

Leider verzichtet James Salter in seinen Erinnerungen darauf, sein erzählerisches Talent wirklich auszuschöpfen, dem Leser einen Erzählstrang zu bieten, an dem er sich festhalten kann. So gerät das Buch auch weniger zu einer Erinnerung an James Salter als daran, welche mehr oder weniger bedeutenden Menschen er getroffen hat, und was aus ihnen geworden ist. Mich hätte aber interessiert, was eigentlich wirklich aus James Salter geworden ist, wo er in dieser Erzählung bleibt. Die permanenten Zeitsprünge empfand ich als sehr nervig; nie war wirklich klar einzuordnen, ob eine Begegnung nun vor oder nach seinem Abschied stattgefunden hat, wann dieser Abschied nun tatsächlich war, wie dieser doch sehr schwerwiegende Entschluss in ihm herangereift ist...

Gerade zu Beginn hatte ich auch ein massives Problem mit der Aussage, dass "Mann" einfach einen Krieg erlebt haben müsse. Diese Begeisterung für den Militarismus, die Reduzierung auf die Anzahl der abgeschossenen Flugzeuge, die Verherrlichung all dessen war mir ausgesprochen zuwider.

Die letzten Kapitel, die auch etwas ausführlicher geraten und nicht bloß eine Aneinanderreihung von Namen darstellt, haben mich wieder ein klein wenig versöhnt. Wenn er von seinen Begegnungen mit Büchern spricht, von der Entstehungsgeschichte seiner eigenen Romane, dann empfindet man wieder, dass man hier einen wirklich guten Erzähler vor sich hat.

Wer James Salter liebt, sollte dieses Buch besser nicht lesen.

James Salter

James Salter wurde 1925 geboren und wuchs in New York auf. Er studierte in West Point und trat 1945 in die Air Force ein. Er diente 12 Jahre im Pazifik, in den USA, in Europa und Korea. Er nahm seinen Abschied, als 1957 sein erster Roman erschien.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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