James Salter - Ein Spiel und ein Zeitvertreib

Originaltitel: A Sport and a Pastime
Roman. (englischsprachiger Verlag) 1967
191 Seiten, ISBN: 3499224402

Phillip Dean ist Amerikaner, Sohn eines wohlhabenden Vaters, und nach Abbruch seines Studiums, das ihn zu wenig herausforderte, in Frankreich unterwegs. Die Bekanntschaft mit einem Fotografen bringt ihn nach Autun, ins *wirkliche* Frankreich, fern der glitzernden Metropole Paris.

Hier lernt er Anne- Marie kennen, eine junge, hübsche und etwas gewöhnliche Verkäuferin. Mit ihr fängt er, mehr aus Zeitvertreib, eine Liebesbeziehung an, die aber bald mehr ist als das, mehr als ein Spiel - bis zum tragischen Ende...

Das ist in wenigen Worten der Rahmen, in dem die einzelnen Beobachtungen über die Details einer Beziehung aufgehangen sind. Der Leser erlebt wie ein Voyeur die intimsten Momente dieser Beziehung - und das sind nicht unbedingt die erotischen Szenen, obwohl es davon sehr viele gibt, wunderbare, sprachgewaltige Beschreibungen, die dennoch nie ins Peinlich-Vulgäre abdriften.

Aber die wahre Meisterschaft des Autors besteht darin, in kurzen Szenen, mit wenigen Worten Stimmungen zu reproduzieren, die doch eigentlich kaum zu beschreiben sind; der kalte Blick, mit dem Philip seine Geliebte mustert, nachdem er sie seinem Vater vorstellen sollte; die Verzauberung, als sie eine Geschichte erzählt und er merkt, dass sie ihm fehlen würde; seine schlechte Laune beim Einkaufen; die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Es sind Szenen, die jeder kennt, Momente der Nähe und Distanz, die nicht immer rational begründbar sind; und diese feinsten Nuancen schildert Salter so, dass mir beim Lesen der Atem stockt, weil auch ich die Beklemmung in der wortlosen Unstimmigkeit fühle, das Unbehagen, die Verunsicherung, die es hervorruft.

Es ist ein Buch, in dem man sich verliert - schon die Landschaftsbeschreibungen verleiten dazu, mit den Gedanken vom Buch wegzudriften. Philip und Anne-Marie bleiben als Protagonisten gewollt blaß und beliebig; ihr Leben außerhalb der Beziehung interessiert nur am Rande, sie sind als Personen auswechselbar, nicht aber als Liebespaar.

Wer sich auf dieses Buch einlässt, sollte sich im Klaren darüber sein, dass ihn keine stringente Handlung erwartet, dass Schein und Sein hier vermischen, dass ein Erzählplot kaum existent ist; *A Sport and a Pastime* ist ein sprachliches Meisterwerk mit beeindruckenden Bildern, für die man sich allerdings Zeit lassen - und in deren Rhythmus man hinfinden muss.

James Salter

James Salter wurde 1925 geboren und wuchs in New York auf. Er studierte in West Point und trat 1945 in die Air Force ein. Er diente 12 Jahre im Pazifik, in den USA, in Europa und Korea. Er nahm seinen Abschied, als 1957 sein erster Roman erschien.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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