James Salter - Cassada

Originaltitel: Cassada / The Arms of Flesh
Roman. Berlin Verlag 2003
203 Seiten, ISBN: 3827000947

Es ist ein Männerbetrieb - ein großer Spielplatz für Helden, die in den großen Jagdflugzeugen sowohl ihren Geschwindigkeitsrausch erleben können als auch die Gelegenheit erhalten, sich aneinander zu messen, in Wettkämpfen ihre Hackordnung zu bestimmen.

Als Robert Cassada neu zur Truppe stößt, schafft er es nicht, sich die nötige Akzeptanz zu verschaffen. Seine fliegerische Leistung ist zu Beginn nicht überragend, und sich den Kameraden im Kasino anschließen und zumindest verbal den Helden zu markieren liegt ihm nicht.

Nur Captain Isbell hat Verständnis für den idealistischen Kämpfer; etwas wie Freundschaft zwischen den beiden beginnt. Doch Cassada gerät in moralischen Zwiespalt, als er von der außerehelichen Affäre Isbells erfährt. Als die beiden aber in einem waghalsigen Flugmanöver stecken und Isbells Funkgerät ausfällt, versucht er ihn heldenmutig zu retten...

James Salter war jahrelang bei der Air Force, kennt die Flieger und ihre Ambitionen also aus eigener Anschauung. Das merkt man dem Buch auch an: immer dann, wenn er sich in die Luft erhebt, wenn er minutiös von Flugmanövern erzählt, davon, was in den Köpfen der Flieger abgeht, wie sie miteinander kommunizieren - das alles ist grandios zu lesen, man sitzt mit im Flugzeug und erlebt den Geschwindigkeitsrausch, lässt sich disziplinieren und in eine Formation eingliedern, jagt hinter einem Schulflugzeug her, um ein weißes Tuch mit möglichst vielen Farbtreffern zu verzieren.

Aber für mich war das, was dazwischen passiert, zu dünn. Das Buch lebt von den Flugerlebnissen, die Interaktion zwischen den Kameraden bleibt oberflächlich und uninteressant. Keiner der Protagonisten erhält wirklich Konturen. Die Liebesgeschichte, die im Klappentext so vollmundig angekündigt wird, beschränkt sich auf eine einzige Begegnung.

Salter hat dieses Buch bereits vor vielen Jahren unter einem anderen Titel, "Arms of Flesh" veröffentlicht und 2000 völlig umgeschrieben. Schreiben kann er, daran besteht kein Zweifel - ich fiebere geradezu nach einem neuen Buch von ihm. Bei diesem hier habe ich mir nur wieder Appetit geholt - es fehlte mir an Substanz, so gern ich die Schilderungen auch gelesen habe.

James Salter

James Salter wurde 1925 geboren und wuchs in New York auf. Er studierte in West Point und trat 1945 in die Air Force ein. Er diente 12 Jahre im Pazifik, in den USA, in Europa und Korea. Er nahm seinen Abschied, als 1957 sein erster Roman erschien.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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