Nicholas Salaman - Der Garten der Lüste

Originaltitel: The Garden of Earthly Delights
Roman. Diogenes 1993
640 Seiten, ISBN: 3257229690

Julius wächst als Waisenkind bei Pflegeeltern auf. Als er erfährt, daß er ein Bastard ist, erklärt sich ihm, warum er so lieblos behandelt wird.

Nicht nur ihm, auch seinen Pflegeeltern erscheint es deshalb als Glücksfall daß er ausgerechnet von Meister Bosch, dem bekannten Maler, in die Lehre genommen wird.

Die seltsamen Figuren und Visionen seines Meisters beeindrucken Julius stark; doch noch mehr erlernt er während seiner Lehrzeit in Florenz. Auch hier entdeckt er wieder diese Geschichten von der Religion der Liebe, mit der ihn sein Meister schon andeutungsweise vertraut gemacht hat.

Kurz nach seiner Rückkehr erkrankt Bosch schwer und stirbt - und Julius wird mit der schweren Aufgabe betraut, den "Garten der Lüste" fertigzumalen. Doch um Liebe und Höllenqualen darzustellen, hat er zu wenig erlebt.

Mit seiner Frau (eine Torheit, da er nicht neinsagen konnte) zieht er nach Rensburg, die Stadt, in der vor kurzem die Wiedertäufer an die Macht gelangt sind. Es trifft Julius wie einen Blitz: ausgerechnet hier trifft er sie, die Liebe seines Lebens - die allerdings einem anderen versprochen ist, dem "Obertäufer".

Der Wahnsinn ergreift die Stadt - erst werden alle, die sich nicht zum neuen Glauben bekennen, aus der Stadt gejagt, später wird alles Privateigentum beschlagnahmt.

Und mitten in dieser Hölle kann Julius auch zu malen beginnen…

Tja - wo anfangen?

Die Sprache, die in diesem Buch verwendet wurde, fand ich schlichtweg schlecht. Einige Beispiele dazu finden sich hier.

Darüberhinaus waren die geschilderten Charaktäre recht platt. Natürlich verliebt Julius sich auf den ersten Blick in die natürlich schöne Elisabeth, natürlich ist sie einem anderen versprochen, natürlich ist dieser andere einer der Rädelsführer des ganzen Chaos, und genauso natürlich ist auch Julius schon verheiratet.

Beide sind sehr edel und gut - Julius hat nur diese eine Schwäche, nicht laut genug Nein sagen zu können.

Wohingegen die Widersacher natürlich durch und durch böse sind.

Schade - aus dem Stoff hätte man vielleicht doch etwas Interessanteres machen können.

Nicholas Salaman

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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