Originaltitel: Hohaj
Roman. btb (Bertelsmann Taschenbuch) 2002
252 Seiten, ISBN: 3442723779
Nach Nattmyrberg kam gewöhnlich kein Fremder. In einer ohnehin schon dünn besiedelten Gegend lag dieses Einzelgehöft weit entfernt von anderem menschlichen Leben.
Als Innas Mutter noch lebte war diese Einsamkeit nicht ganz so schlimm gewesen. Die beiden Frauen hatten einander - und hin und wieder kam sogar jemand aus dem nächsten Dorf zu Besuch. Doch Knövel, Innas Vater, vertrieb sie alle mit seiner Bösartigkeit und seiner Lästerzunge. Nach dem Tod der Mutter war sie alleine mit seinem Jähzorn - und seinem Verlangen. Sie war sein Geschöpf, mit Haut und Haar.
Im Dorf war ein seltsamer Fremder aufgetaucht; Aron, der nichts über seine Vergangenheit erzählen wollte, der mit seinem Riesenhund wohl schon seit einigen Jahren von Ort zu Ort gezogen war. Doch nun wollte er bleiben; die Familie, bei der er eigentlich nur vor einem Schneesturm Unterschlupf suchen wollte, bot ihm ein Heim. Im Sommer war er mit den Pferden auf der Weide; und hier begegnete er der scheuen Inna.
Es dauerte mehrere Sommer, bis die vorsichtige Annäherung der beiden sie zueinander brachte; eine Zeit, in der Inna sich immer mehr von ihrem despotischen Vater zu lösen versucht, in der sie sich selbst um die Vermarktung der wenigen Produkte kümmern will, die ihr kleiner Hof hervorbringt.
Als nur noch eine Formalität dem Glück der beiden im Wege zu stehen scheint, passiert die Katastrophe...
Eine junge Frau, die ihren Mann verloren hat, verirrt sich Jahre später nach Nattmyrberg - und hier, an dem Ort, der so viel Leid gesehen hat, findet sie wieder zu sich selbst.
Eigentlich doch eine ganz interessante Geschichte, die hier erzählt wird; Überleben im kargen Lappland, die Schilderung der kurzen, intensiven Sommer und der langen Dunkelheit ... Und doch: ich bin mit diesem Buch nicht warm geworden.
Der Grund dafür lag in der Sprache, die für meinen Begriff viel zu gewollt poetisch war; dauernd hört man irgendein Herz pochen, erbeben Fingerspitzen bei einer Berührung, wird gelauscht, von Gedanken überschwemmt...
Nein, damit konnte ich mich bis zuletzt nicht anfreunden, auch wenn ich mich langsam daran gewöhnt hatte; und die Rahmenhandlung mit der Frau, die hier auf diesem Hof wieder zu sich selbst findet, war in meinen Augen ebenfalls nicht stimmig. Die Verbindung zwischen den Generationen erschien mir sehr an den Haaren herbeigezogen.
Wie schon erwähnt: eigentlich wäre die Geschichte interessant, und wenn man ein Faible für diesen Sprachstil hat, würde man ihn vielleicht als spröde und lyrisch bezeichnen - aber mich konnte es nicht begeistern.
Elisabeth Rynell, geboren 1954, lebt in Umea. 1975 publizierte sie ihren ersten Gedichtband, der großes Echo bei Kritik und Publikum fand. Danach mehrere Gedichtsammlungen, einen Roman und Essays. Ihren großen Durchbruch hatte sie in Schweden mit dem Roman Schneeland, der autobiographische Elemente enthält. Sie erhielt dafür zahllose Auszeichnungen und stand monatelang auf den Bestsellerlisten des Landes.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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