Salman Rushdie - Die satanischen Verse

Originaltitel: The Satanic Verses
Roman. Knaur Verlag 1988
797 Seiten, ISBN: 3426606488

Ein Buch zu beurteilen, das man nicht zu Ende gelesen hat, ist schwierig. Eines zu beurteilen, von dem man eigentlich hauptsächlich sagen muss: ich habe es nicht verstanden, schlichtweg unmöglich.

Daher folgt an dieser Stelle auch nur mein Eindruck von den ersten 300 Seiten - danach hatte ich einfach keine Lust mehr. Ich hatte keine Lust mehr, noch 20 Personen in all ihrer Absonderlichkeit vorgeführt zu bekommen, ich hatte keine Lust mehr auf vom Himmel gefallene, behufte, ihre eigenen Kötel auffressenden Menschen mit Teufelshörnern, keine Lust mehr auf einen Heiligenschein, der nur durch einen Hut verdeckt wird, keine Lust mehr auf Mädchen, die Schmetterlinge essen - und das ist nur ein kleiner Ausschnitt all dessen, worauf ich keine Lust mehr hatte.

Ich könnte mir vorstellen, dass es vielen interessierten Lesern ähnlich wie mir geht: man hat schon das eine oder andere Buch von Rushdie gelesen, vielleicht die "Mitternachtskinder" oder "Des Mauren letzter Seufzer"; man war ganz angetan von der herrlichen Phantasie des Autors, seinen Wortspielen, der exotischen Kulisse. Und dann hatte man natürlich von der Fatwa gehört, die aufgrund der "Satanischen Verse" über den Autor verhängt worden war.

Natürlich wollte ich dann auch wissen, was denn an dem Buch dran ist, das solche Nachwirkungen verursacht, ob man sich beim Lesen tatsächlich als gläubiger Mensch so verletzt fühlen kann.

Nun, nach 300 Seiten, kann ich auf vollstem Herzen sagen: ich weiß es nicht. Ich habe das Buch, wie schon eingangs erwähnt, nicht verstanden. Ich hatte beim lesen permanent das Gefühl, das jeder Name, jede Szene eine Anspielung auf Bibel, Koran, indische Götter enthalte, die ich einfach nicht zuordnen konnte. Beim Lesen eines Buches in der eigenen Sprache keine Chance zu haben, den vorliegenden Text auch nur ansatzweise zu verstehen ist frustrierend. Wobei ich damit wahrscheinlich trotzdem ganz gut hätte leben können - wenn ich nicht vom Autor selbst dauernd dran erinnert worden wäre.

Aber auch auf der ganz oberflächlichen Ebene, die mir als Leser dann verbleibt, hat sich in den 300 Seiten, die ich gelesen habe, kaum ein roter Faden herauskristallisiert. Es ist ohnehin schwierig, so etwas wie einen Handlungsstrang aus all dem Geplapper herauszuschälen, und der hat mich leider auch nicht wirklich interessiert, weil er für meine Begriffe zu phantastisch war.

Falls also noch weitere Leser entweder gleich zu Beginn aufgegeben haben - schön, wir sind nicht allein ;-)
Und falls man die Lektüre "immer schon mal" vorhatte, lautet mein Rat: den Zeitpunkt noch so weit wie möglich hinauszuschieben.

Salman Rushdie

Salman Rushdie wurde 1947 in Bombay geboren und studierte in Cambridge Geschichte. Danach arbeitete er am Theater und als freier Journalist und Schriftsteller. Nur wenige Monate nach der Veröffentlichung des Romans "Die satanischen Verse" im Jahr 1988 bezichtigte der iranische Revolutionsführer Ajatollah Khomeini Rushdie der Blasphemie und verhängte über ihn das Todesurteil, die Fatwa. Nach mehr als 10 Jahren mit unbekanntem Aufenthalt in England lebt Rushdie heute in New York.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©15.10.2002 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing