Originaltitel: Pooh´s Corner
Erzählung(en). Diana Verlag 1993
262 Seiten, ISBN: 345315584X

Übersetzer haben meist ein hartes Los; ihre Arbeit erntet nur wenig Anerkennung, selten ist dem Leser sein Name nicht einmal bekannt, auch wenn er am Schmutztitel erwähnt wird.
Bei Harry Rowohlt ist das etwas anderes; ihn kennt man als genialen Kenner der irischen Seele, er hat Flann O´Brien übersetzt, Frank McCourt´s Bestseller „Die Asche meiner Mutter“, „Nackt“ von David Sedaris, um nur einige zu nennen.
Und unter anderem von seiner Übersetzertätigkeit handeln auch seine Kolumnen und Berichte – er widmet sich ausführlich einem Kongreß in Irland, der – wo sonst – in Kneipen endet, macht sich auf die Suche nach dem Ort „Swim-Two-Birds“.
Seine Kolumnen sind in der „Zeit“ erschienen – in Pooh´s Corner. Ein deutsches Pendant zu den aberwitzigen Kolumnen, die Flann O´Brien seinerzeit verfaßt hatte. Er greift sich ein Detail heraus, schreibt zum Beispiel über den neuen fünfeckigen Stern an seiner Schreibmaschine, politisiert, berichtet über den deutsche und österreichische Kulturbetrieb (oder was sich dafür hält) - und er verfaßt Filmkritiken, die nur in den wenigsten Fällen irgendwas über die Handlung des Filmes erzählen.
Über Politik, und das Pendant in der Kneipe, weiß er zu berichten: „Aber das wirklich Schlimme an der Injurie „Stammtischpolitiker“ ist die Anmutung, man solle doch gefälligst die Politik den Politikern überlassen.
Wenn Politiker wirklich so gut wären, wären sie nicht Politiker geworden.
Dann wären sie in die freie Wirtschaft gegangen und hätten sich welche gekauft.“
Zu „Der Club der toten Dichter“ meint er: „Der einzige mir bekannte gute Grund für eigene Söhne besteht darin, daß man sich mit ihnen den „Club der toten Dichter“ ansehen kann.“
Dem ist nichts hinzuzufügen – außer dem wirklich treffenden Nachwort von Elke Heidenreich.
Ich mag eigentlich keine Kurzgeschichten, und Essays, Kolumnen – sind mir ganz einfach meist zu kurz. Aber dieses Buch hat mich jetzt längere Zeit begleitet, immer wieder ein paar Seiten darin gelesen; und zwar mit dem allergrößten Vergnügen. Harry Rowohlt schreibt, und ich kann mir ein Schmunzeln, oft ein lautes Lachen beim Lesen nicht verkneifen – und bin trotzdem oft auch nachdenklich geworden.
Besonders gefreut hat mich als Österreicherin natürlich, daß auch mein Heimatland von diesem Piefke häufig besucht wird, er viel darüber zu berichten weiß; sei es Hermes Phettberg, eine Theaterproduktion in Graz.
Schön ist es natürlich, die Filme die er beschreibt, auch selbst zu kennen – obwohl das oft gar nicht nötig ist.
Harry Rowohlt, geboren 1945 in Hamburg und entsprechend stolz darauf, ist genetisch Halb-Bochumer und darf deshalb Leute nachäffen, ohne gehauen zu werden. Mehr noch: ohne daß sie es merken. Er lebt als Übersetzer und Poohrist und Flanneur in Hamburg.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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