Joanne K. Rowling - Harry Potter und der Orden des Phoenix

Originaltitel: Harry Potter and the Order of the Phoenix
Kinderbuch. (englischsprachiger Verlag) 2003
1021 Seiten, ISBN: 3551555559

Wie bislang jeder Band der Reihe beginnt auch dieser im Haus der Dursleys. Fruchtbar wie immer empfindet Harry seine Ferien bei den ungeliebten Verwandten, die ihn deutlich spüren lassen, wie unerwünscht er eigentlich ist. Aber schlimmer als in den letzten Jahren fühlt er sich auch von seinen Freunden abgetrennt; Hermine und Ron sind irgendwo zusammen, aber keiner von ihnen scheint auf die Idee zu kommen, auch ihn einzuladen.

Aus dem früher doch eher sanftmütigen Jungen ist dank Pubertät nun außerdem ein aufmüpfiger Jugendlicher geworden, der mit seiner eigenen Aggressivität noch nicht recht umgehen kann. Aber zaubern, das hat er noch nicht verlernt - obwohl er natürlich strenge Auflagen hat, in der Muggelwelt auf keinen Fall seinen Zauberstab zu verwenden. Was sollte er aber tun, um die Dementoren abzuweisen? Noch dazu, wo doch auch sein zwar ungeliebter, aber eben trotzdem Cousin ebenfalls bedroht wurde...

Natürlich wird der Vorfall sofort gemeldet - und Harry muss vor Gericht. Im schlechtesten Fall wird er aus Hogwarts verwiesen, darf nicht zurück in die einzige Welt, in der er sich zu Hause fühlt. Wie will man die Existenz von Dementoren beweisen, die doch eigentlich nur an einem einzigen Ort anzutreffen sind? Die Chancen stehen schlecht für Harry - doch dank der Unterstützung Dumbledores gelingt das kaum noch mögliche.

Dennoch ist Harrys Start ins Schuljahr denkbar schlecht. Auch in diesem Jahr gibt es eine neue Lehrkraft für die dunklen Künste; und wieder ist Harry die Zielscheibe, wird jede seine Handlungen kontrolliert. Aber auch seine Freunde wenden sich von ihm ab - denkt er zumindest. Cedrics Tod haftet wie ein Makel an ihm, und außerdem spürt er, dass in seinen Träumen etwas von ihm Besitz ergreift, das nicht nur ihm Entsetzen bereitet: Voldemort...

Lange, sehr lange musste die Fangemeinde auf diesen fünften Band warten; dafür hat der Umfang im Vergleich zum ersten Teil sich nahezu verdreifacht. Um die Mäkelei gleich an den Beginn zu setzen: ich persönlich hätte das Buch lieber etwas kürzer gehabt, hätte einige Stellen, an denen die Autorin sich verliert, lieber etwas gekürzt, gerade zu Beginn und gegen Ende kam bei mir streckenweise Langeweile auf.

Der irrwitzige, lange Showdown mit hier einem Gefecht, da einer Verwandlung, dort einer Verfolgungsjagd erschien mir stark auf visuelle Effekte für eine zukünftige Verfilmung zugeschnitten; lesen mag ich sowas nicht unbedingt, aber das ist mein persönlicher Eindruck.

Aber das Wesen dieser Reihe besteht für mich eigentlich ja auch weniger in der jeweiligen Aufgabe, die Harry in dem Band zu erfüllen hat, sondern im Drumherum. Und hier ist wie eh und je eine unglaubliche, faszinierende Fülle von Details zu bewältigen, die verstehen lässt, warum die Bücher eine solche Faszination ausüben.

Alleine mitzuerleben, wie Harry in die Pubertät kommt, wie stark er mit sich selbst hadert, wie aufbrausend er plötzlich wird ist absolut nachvollziehbar; die Autorin hat meiner Ansicht nach grandios die widersprechlichen Bedürfnisse eines Halbwüchsigen in Worte gefasst, sein Wunsch nach Selbständigkeit ebenso wie das Bedürfnis, irgendwo dazuzugehören, nicht aufzufallen, einfach angenommen zu werden.

Harry hadert hier nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit seinen Freunden; wer kennt das nicht? Eines der positivsten Zeichen in diesem Buch ist es, das vermittelt wird: auch wenn es einmal Schwierigkeiten und tiefe Meinungsverschiedenheiten gibt, Freundschaft hält das aus!

Eine meiner absoluten Lieblingsszenen in meinem Buch ist das Gespräch, das Harry mit Hermine kurz nach dem Kuss führt, den er von Cho erhalten hat; auch mancher erwachsene, erfahrene Mann würde wohl gerne mit Harry ausrufen "One person can´t feel all that at once, they´d explode!"

Es ist zwar in meinen Augen nicht der beste Band der Reihe - aber Potter-Fans wollen ohnehin alles aus der Reihe lesen, und es ist und bleibt für mich eine wunderbare Welt, in die man hier entführt wird. Ja, ich bin süchtig, und ja: ich liebe diese Bücher!

Joanne K. Rowling

31. Juli 1965 in Yate, South Gloucestershire. Die Geschichte der arbeitslosen, alleinerziehenden Mutter, die mit der Geschichte über einen Zaubererlehrling berühmt und reich wurde, liest sich selbst fast so spannend wie die Werke der jungen Autorin

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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