Philip Roth - Portnoys Beschwerden

Originaltitel: Portnoys Complaint
Roman. Rowohlt Verlag 1969
315 Seiten, ISBN: 3499120747

Wie könnte man Alexander Portnoy besser beschreiben denn als Genie? Das ist es jedenfalls, was er von seinen Eltern schon von Kind auf zu hören bekommt. Ein Mensch mit seinem Verstand! seinen Gaben! seinen Anlagen!

Und trotzdem: er macht seine Eltern nicht glücklich. Schon als Kind gab es neben den Lobeshymnen, mit denen er überhäuft wurde, auch die unzähligen Stunden, die er heulend vor der Tür verbrachte, weil seine Mutter ihn nie wieder sehen wollte. Weil er Verbrechen begangen hatte, deren Ausmaß ihm gar nicht klar war - Pommes auf der Straße gegessen! Keine Mütze aufgesetzt! Jeans getragen! Die Mutter nicht sehen lassen, was er in der Toillettenschüssel hinterlässt!

Aber auch als Erwachsener wird er nicht aus der elterlichen Fürsorge entlassen - lass dich nur nicht mit einer Schickse ein, hörst du, Alexander? Fahr nie mit dem Kabrio! Warum hast du eigentlich noch keine Kinder? Warum bist du noch nicht verheiratet? Warum wohnst du eigentlich in New York? Und warum kommst du uns nie besuchen? Wo wir doch alles für dich getan haben, hörst du?

Da hilft nur eines - die Flucht. Die Flucht in die Arme hübscher, blonder, langbeiniger Mädchen, die alles andere sind, aber garantiert keine braven jüdischen Mädchen. Denn mit jüdischen Mädchen, speziell in Israel, macht er keine guten Erfahrungen....

Das Beste an diesem Buch ist eigentlich der Schluss. Schade, dass ich ihn hier nicht verraten kann, aber diese Pointe draufzusetzen, war genial.

Leidenschaftlich, skurril, mitleidsheischend, brutal, offen, sexistisch - das alles trifft auf diesen langen Monolog zu, in dem Alexander Portnoy von seinem Leben erzählt.

Ich habe mich dabei ausgezeichnet amüsiert, auch wenn mir in der zweiten Hälfte die Wiederholungen fast ein wenig zu viel wurden, und auch die Aussagen wie "was war ich doch früher für ein braves Jiddelchen" überhand nahmen.

Im Klappentext ist bereits ein Hinweis auf Woody Allen und den Stadtneurotiker enthalten - und ausnahmsweise kann man dem Klappentext auch wirklich trauen.

Viel Vergnügen!

Philip Roth

Philip Roth, geboren am 19. März 1933 in Newark/New Jersey, studierte an der Bucknell University in Lewisburg / Pennsylvania und graduierte 1955 an der Universität Chicago zum Master of Arts für englische Literatur. Er erhielt mehrere literarische Auszeichnungen, zuletzt den Pulitzer-Preis für seinen Roman "Amerikanisches Idyll".

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Das könnte Sie interessieren:

Javier Marias - Die sterblich Verliebten

Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©01.01.2001 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2010 LESELUST Daniela & Markus Brezing