Philip Roth - Das sterbende Tier

Originaltitel: The Dying Animal
Roman. (englischsprachiger Verlag) 2001
156 Seiten, ISBN: 3499236508

David Kepesh hat sich in seinem Leben eingerichtet. Mittlerweile auch nicht mehr der Jüngste, trifft er durch seine Lehrveranstaltungen immer noch auf genügend hinreißende junge Frauen, die sich durch seine Prominenz - aber natürlich auch seine Intelligenz beeindrucken lassen und mit ihm eine lose Beziehung eingehen.

Eine feste wünscht er ohnehin nicht mehr. Schließlich hat er bereits eine Scheidung hinter sich, hat einen Sohn, der die Trennung bis heute, da er selbst verheiratet ist und Kinder hat, nicht wirklich verkraftet hat - nein, das ist es wirklich nicht, was David vorschwebt.

Auch das ganze Geschwätz, bevor man miteinander ins Bett ging, war für ihn verschwendete Zeit; zwar ist ihm klar, dass die Frauen ihm nur mitteilen wollten, wer sie eigentlich waren, was ihr Wesen ausmachte - doch was interessierte ihn das, wenn er sich doch über ihre Titten, ihren wundervollen Körper mit ihnen unterhalten wollte!

Bis er auf Consuela trifft. Die junge Kubanerin lässt alles mit sich geschehen, genießt die Anbetung ihres Körpers - und bleibt doch seltsam unabhängig. Ihr wird er hörig, sie würde er am liebsten rund um die Uhr bewachen - und scheitert doch an der simplen Aufgabe, zur Feier ihres Studienabschlusses zu erscheinen.

Zwar hatte er auch in der Zeit mit Consuela andere Beziehungen, und doch - als sie ihn verlässt, bricht seine Welt zusammen. Er braucht Jahre, um dem Verlangen zu widerstehen, sie wieder aufzuspüren - eine Zeit, in der er gezwungenermaßen alle alten Werte in Frage stellt...

Egal, was man von Philip Roth halten mag - dass er das Instrument Sprache meisterhaft beherrscht, kann ihm niemand in Abrede stellen. Und das beweist er auch in diesem Buch wieder; Sexszenen, die anderen Autoren leicht zur peinlichen Farce entgleiten, meistert er souverän; so ordinär die Szene auch sein mag, es entgleitet ihm nicht.

Wie schon in Portnoys Beschwerden wird auch hier in der Ich-Form erzählt; und auch hier schwankt die Erzählung zwischen Lamentieren und schmerzhaften Einblicken ins Innere.

Während ich auf den ersten 50 Seiten, die hauptsächlich der Anpreisung der körperlichen Vorzüge Consuelas dienten sowie der Schilderung seiner anderen Affären, geht er in den zwischengeschobenen Passagen ganz unvermutet in die Tiefe; hier wird dann nochmals die Trennungsphase seiner Ehe beleuchet, das schwierige Verhältnis zu seinem Sohn, aber vor allem auch sein Eingeständnis an sich selbst, dass seine Beziehung zu Consuela doch über Sex hinausging.

Und dieser Passagen wegen lohnt es sich, das Buch zu lesen!

Philip Roth

Philip Roth, geboren am 19. März 1933 in Newark/New Jersey, studierte an der Bucknell University in Lewisburg / Pennsylvania und graduierte 1955 an der Universität Chicago zum Master of Arts für englische Literatur. Er erhielt mehrere literarische Auszeichnungen, zuletzt den Pulitzer-Preis für seinen Roman "Amerikanisches Idyll".

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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