Eva Rossmann - Wahlkampf. Ein Mira-Valensky-Krimi

Originaltitel: Wahlkampf
Roman. Folio Verlag 1999
251 Seiten, ISBN: 3852561175

Einen langweiligeren Auftrag hätte sich Mira Valensky nicht wünschen können: sie sollte die menschliche Seite des Wahlkampfs präsentieren, sollte eine schöne Geschichte über Präsidentschaftskandidaten beim Familienfrühstück schreiben, von Blümchengeschirr und dem herzlichen, persönlichen Verhältnis zu den Mitarbeitern des Wahlkampfbüros - kurz, genau das langweilige Zeug, das Mira noch nicht einmal selbst lesen wollte. Von ihrem Desinteresse an Politik ganz abgesehen - schließlich war ihr Ressort Lifestyle, und dabei wollte sie auch bleiben.

Dass die Tochter des Kandidaten Wolfgang A. Vogl kurz vor dem idyllischen Familienfrühstück noch eine lautstarke Auseinandersetzung mit ihrem Vater hat, ihn als Mörder beschimpft, passt nicht so ganz ins Bild. Auch das Gespräch zwischen den beiden Wahlkampfkoordinatoren, Frau Fischer und Herrn Orsolics, in dem sie sich zum Ausscheiden eines Mitarbeiters beglückwünschen, passt nicht so ganz ins Bild - erst recht nicht, als Mira erfährt, dass dieser Mitarbeiter tot ist. Angeblich Selbstmord - aber ihr Misstrauen ist geweckt

Als sie dann auch noch vor ihrer Haustür zusammengeschlagen wird, ist für sie endgültig klar, dass dieser Wahlkampf nicht so sauber abläuft, wie überall propagiert wird; gemeinsam mit dem politischen Redakteur, Droch, fängt Mira an, ein wenig Dreck im klinisch sterilen Wahlkampf aufzuwühlen, und das ist nicht ganz ungefährlich...

Mit *Wahlkampf* startet die Krimiserie um Mira Valensky, die mittlerweile auf vier Bände angewachsen ist (ein fünfter ist bereits in Arbeit). Die Autorin hat sich sichtlich von Buch zu Buch gesteigert - womit wir auch gleich bei den Schwächen dieses ersten Bandes angelangt wären.

Ein wenig arg an den Haaren herbeigezogen ist der Kriminalfall, der in dieser Geschichte zu finden ist; zu konstruiert, auch in der Auflösung nicht glaubwürdig, und in manchen Details geht die Fantasie ein wenig zu stark mit der Autorin durch; zum Beispiel, als eine junge Frau, die natürlich schon rein optisch alle Klischees eines Computerfreaks erfüllt, an die Daten der Wahlkampfzentrale kommt.

Und trotzdem ist es ein sehr kurzweiliges Vergnügen, diesen Krimi zu lesen. Wenn man die österreichische Politikerszene ein wenig kennt, wird man an so mancher Stelle kleine Ähnlichkeiten erkennen, und das ist es eigentlich auch, was den ganz großen Reiz dieser Krimi-Reihe ausmacht. Das - und die magenknurren verursachenden Schilderungen von Miras Kochkünsten!

Eva Rossmann

Eva Rossmann, geboren 1962 in Graz. Zuerst Verfassungsjuristin im Bundeskanzleramt, dann politische Journalistin. Mitinitiatorin des österreichischen Frauenvolksbegehrens, ständige Kolumnistin im Standard. Lebt als Autorin im Weinviertel und veröffentliche zahlreiche Sachbücher, bevor sie begann, auch Kriminalromane zu schreiben.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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