Eva Rossmann - Ausgejodelt. Ein Mira-Valensky-Krimi

Originaltitel: Ausgejodelt
Roman. Folio Verlag 2001
228 Seiten, ISBN: 3852561396

Als Lifestyle-Reporterin ausgerechnet auf das Genre *Volksmusik* angesetzt zu werden, ist für Mira Valensky schon schlimm genug. Auch wenn Millionen Zuschauer sich allwöchentlich an der Super-Sommer-Hitparade erfreuten, an Songtiteln wie *Grüne Wiese, grüne Kühe, grünes Haus* fand Mira nun wirklich nichts Erfreuliches.

Aber das ist noch nicht schlimm genug. Schlimmer ist es zum Beispiel, beim Interviewtermin nur noch eine Leiche vorzufinden. Dabei war Downhill-Sepp noch wenige Minuten zuvor auf der Bühne gestanden. Herzversagen, lautet die offizielle Diagnose. Aber was war mit der Medikamentenschachtel, die in den Unterlagen der Polizei gar nicht auftauchte, die Mira aber in seiner Garderobe gesehen hatte?

Das Sauber-Image der Volksmusikbranche ist ganz schön brüchig, merkt sie. Beta-Blocker, Aufputschmittel, das gehört zum Alltag, auch schon beim Kinderstar Susi Sommer, die bereits zum festen Bestandteil des Rummels geworden ist.

Dass die Macher in dieser Branche nicht unbedingt hinter ihren Erzeugnissen stehen, merkt sie, als sie Joe Platt kennen lernt. Er ist ein Star, der Moderator - aber trotzdem ist er unglaublich anziehend, wie Mira zu ihrer Überraschung feststellt.

Und dann passiert der zweite Mord. Der Regisseur. Und diesmal kann es kaum ein Unfall gewesen sein. Aber wer zuletzt bei ihm gesehen wurde war - Joe Platt. Benutzt er sie nur, um ihre Neugierde in eine falsche Richtung zu lenken?

Mira Valensky als Detektivin wider Willen ist herrlich komisch; ihre Gedanken, als sie die Leiche findet, wenden sich sehr rasch dem zu, von dem sie am meisten versteht: vom Essen. Und gegessen wird genug in diesem Roman, auch wenn Mira Valensky zu Beginn auf Diät ist - die sie zum Glück nicht einhält, sonst würden wir die Schilderungen dieser delikaten, vorwiegend italienischen Köstlichkeiten nicht genießen können.

Und Joe Platt? Privat ist er ja ganz in Ordnung, aber wenn man sich vorstellt, wie er mit röhrendem Hirsch bestickt den *lieben leitln* etwas davon erzählt, wie lustig und fesch sie alle sind, dann hat man sofort den *Musikantenstadel* vor Augen und findet auch bei den vorgestellten Musikern so einige, deren reale Vorbilder man sich wunderbar vorstellen kann.

Eva Rossmann spart nicht an herrlichen Seitenhieben, und sie spart auch nicht an Details, die dem Nicht-Volksmusik-Liebhaber Schauder über den Rücken jagen - was durchaus beabsichtigt ist.

Natürlich darf auch in diesem Fall Miras Putzfrau nicht fehlen - wo wäre sie ohne die tatkräftige Unterstützung ihrer Vesna, die durch ihre serbischen Verbindungen so manches wichtige Detail ans Tageslicht befördert.

Ich jedenfalls hatte eine sehr vergnügliche Zeit beim Lesen des Buches - und empfehle es gerne weiter.

Eva Rossmann

Eva Rossmann, geboren 1962 in Graz. Zuerst Verfassungsjuristin im Bundeskanzleramt, dann politische Journalistin. Mitinitiatorin des österreichischen Frauenvolksbegehrens, ständige Kolumnistin im Standard. Lebt als Autorin im Weinviertel und veröffentliche zahlreiche Sachbücher, bevor sie begann, auch Kriminalromane zu schreiben.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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