Tom Robbins - PanAroma

Originaltitel: PanAroma. Jitterburg Perfume
Roman. Rowohlt Verlag 1985
443 Seiten, ISBN: 3499156717

Eine Kellnerin in Seattle, ein kleiner Laden für Duftstoffe (und nicht nur das) in New Orleans, ein großer Parfumeur in Paris - was sie verbindet, ist das eigenartige Auftauchen von Roter Beete auf ihrer Türschwelle, das keiner von ihnen sich erklären kann.

Alobar ist König. In seinem Königreich ist es Brauch, dass der Herrscher beim ersten Auftreten eines Alterszeichens, wie weiße Haare, ein Nachlassen der Potenz, getötet wird, um dem Nachfolger Platz zu machen.

Alobar fühlt sich noch nicht bereit, dieses Los auf sich zu nehmen. Es gelingt ihm, zu fliehen. Eine seiner vielen Frauen zieht mit ihm mit; doch ihr Glück ist nur von kurzer Dauer. Bei einem heidnischen Ritual wird Alobar zum Fastnachtskönig gekürt - der nach Ablauf seiner Herrschaft geköpft werden soll.

Wieder gelingt ihm die Flucht. Auf seinem Weg nach Osten begegnet er dem stinkenden Ziegengott Pan; dieser ist zwar nicht mehr ganz auf der Höhe seiner einstigen Macht, das Christentum hat ihm ganz schön zugesetzt, doch solange es noch Menschen gibt, die an ihn glauben, kann er auch weiterhin seine Verwirrung stiften.

Alobar gelangt immer weiter nach Osten. Und er fängt an, das Geheimnis des ewigen Lebens zu erkunden, gemeinsam mit Kudra, der neuen Frau in seinem Leben.

Nach einigen weiteren hundert Jahren ist Pan nur noch eine Gestankswolke; Alobar und Kudra müssen ihm einen neuen Platz zum Leben verschaffen. Doch wie sollen sie seinen unerträglichen Gestank bändigen? Die Suche nach dem perfekten Parfum beginnt… und wird nochmals ein paar hundert Jahre später neu aufgenommen.

Und das war also in den 80er-Jahren ein Kultbuch. Naja, meines wäre es nicht geworden, denke ich mal.

Allerdings ist diese Beurteilung auch etwas unfair, immerhin schreiben wir heute das Jahr 2000, und ich habe viele Bücher gelesen, in denen Teile des hier geschilderten Inhalts auch schon mal vorkamen, wie "Das Parfum", "Stein und Flöte", "Der Gott der Frechheit" und viele mehr.

Was mich wirklich angewidert hat, war teilweise die Sprache. Sehr derb und obszön, die Metaphern, die er findet, sind plump, an den Haaren herbeigezogen und manchmal noch nicht mal sinngebend.

Wenn ich Sätze lese wie ".. und sein neuer Bart wehte im Wind wie bei einem kotzenden Chinesen, der sich gerade von seiner Vogelnestersuppe verabschiedet", dann wird mir fast schlecht.

Und es ist ausgesprochen schade, dass der Autor auf diese Ausschmückungen nicht häufiger verzichtet hat; da, wo er einfacher bleibt, seine Figuren leben lässt, da erhält man als Leser eine Ahnung davon, dass der Autor durchaus eine witzige Geschichte erzählen kann, und gründliche Recherchen über die Parfumindustrie betrieben hat.

Es gibt Bücher, die ganz fest zu einer bestimmten Zeit gehören; PanAroma heute zu lesen ist in gewisser Weise ein Anachronismus.

Tom Robbins

Tom Robbins, 1936 in Virgina geboren, lebt seit geraumer Zeit in La Conner, USA.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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