Christoph Ransmayr - Die Schrecken des Eises und der Finsternis

Originaltitel: Die Schrecken des Eises und der Finsternis
Roman. S. Fischer Verlag 1984
275 Seiten, ISBN: 3596254191

Ende des 19. Jahrhunderts geht eine österreichisch- ungarische Expedition auf große Fahrt; eines der letzten Gebiete der Erde soll erforscht und erkundet werden, der Nordpol. Unter der Leitung von Julius Payer (Kommandant zu Lande) und Carl Weyprecht (Kommandant zur See) brechen sie auf; über Norwegen nach Spitzbergen, immer Richtung Norden. Bis der Winter sie erreicht, sie mit ihrem Schiff festfrieren. Die lange Winternacht bricht über sie herein, kein Sonnenschein über Monate - eine Zeit, die sie für wissenschaftliche Aufzeichnungen nutzen.

Doch auch im zweiten Sommer kommen sie nicht frei, noch ein Winter festgefroren. Nach diesem Winter wissen sie: weiter nordwärts werden sie mit dem Schiff nicht kommen, noch einen Winter im Eis überstehen sie nicht. Doch glückliche Zufälle haben sie zumindest soweit nordwärts getrieben, daß sie ein neues Land, Festland, teilweise erforschen können! Großer Jubel vor allem bei Julius Payer, der mit seinen Hunden, und in Begleitung einiger Wagemutiger, unter entsetzlichen Entbehrungen anfängt, seine Vermessungsarbeiten zu beginnen.

Josef Mazzini reist hundert Jahre später auf ihren Spuren gen Norden; eine Reise, aus der er nicht zurückkehrt. Nur seine Tagebücher bleiben, so wie auch die Tagebücher der Expedition des letzten Jahrhunderts….

Eines muß man Christoph Ransmayr wirklich lassen: er kann einfach schreiben.

Auch wenn mich, wie in diesem Fall, das Buch nicht wirklich angesprochen bzw. nicht fesseln konnte. Das lag nicht nur an der etwas sperrigen Thematik. Einerseits fand ich die Verquickung mit der fiktiven Geschichte des Josef Mazzini etwas befremdlich; aber zudem haben mich die eingestreuten Tagebuchberichte immer wieder aus dem Lesefluß gerissen. Diese Tagebuchfragmente, die zudem noch authentisch sind, sind zwar für sich genommen auch sehr interessant, vermitteln ein sehr klares Bild der damaligen Verhältnisse.

Christoph Ransmayrs großes Können liegt in seiner Verwendung der Sprache. Er weiß seine Worte wohl zu wählen - aber an die überragende Faszination der "letzten Welt" kommen die Schrecken für mich nicht heran.

Christoph Ransmayr

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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