Christoph Ransmayr - Die letzte Welt

Originaltitel: Die letzte Welt
Roman. S. Fischer Verlag 1988
228 Seiten, ISBN: 3596295386

Ovid ist tot. Diese Nachricht war vor kurzem nach Rom gedrungen und hatte Cotta dazu bewogen, sich nach Tomi aufzumachen um Ovids letztes Werk, die Metamorphosen, zu suchen.

Ovid war aus Rom verbannt worden, nachdem er bei der Eröffnung des Stadions eine gewagte Rede gehalten hatte - und zudem dem Herrscher die nötige Ehrerbietung nicht zuteil werden ließ. Sein Werk hatte er kurz vor seiner Abreise noch verbrannt, die Metamorphosen waren noch gar nicht veröffentlicht, doch kursierten bereits viele Abschriften von Auszügen in den Kreisen der Römer High Society.

In Tomi stößt Cotta auf eine ablehnende Bevölkerung, die ihm keine Auskunft über Ovid geben will. In dessen letztem Heim findet Cotta auch nur den Diener Pythagoras vor - und eine Inschrift in Stein, die besagt, daß Ovid ein Kunststück geschaffen hätte, das die Zeit überdauert.

Cotta erkrankt schwer. Nach seiner Genesung sieht er Echo das erste Mal; Echo, die wunderschöne, die von einem schrecklichen Hautaussatz entstellt wird, der über ihren Körper wandert. Und ausgerechnet von Echo, die normalerweise nur wiederholt, erfährt Cotta das erstemal von Ovid. Auf stundenlangen Spaziergängen erzählt sie ihm die Geschichten, die er ihm Feuer gelesen hatte; von Versteinerungen ist die meist die Rede.

Kurz darauf ist Echo einfach verschwunden. Fort. Es scheint sie auch niemand zu vermissen. Und noch mehr seltsame Dinge geschehen plötzlich in der Stadt; Lycaon, in dessen Haus Cotta lebt, taucht nicht mehr auf, und ein Wolf wurde tot gefunden. Der Sohn der Krämerin versteinert…

Ein beeindruckendes Buch. Die Handlung der Geschichte ist völlig aus der Zeit herausgehoben, die beschriebene Diktatur beinhaltet Elemente aus vielen uns bekannten der jüngeren Vergangenheit.

Besonders beeindruckt hatte mich die bildhafte Sprache, in die man sich am liebsten verlieren möchte. Für mich gab es ein Kapitel, das besonders herausragt: die Rede Ovids und die darauffolgende Aktion des Staatsapparats, der zu einer "jähen, knappen Handbewegung, die kaum heftiger schien als das Abschütteln einer Stubenfliege" des Kaisers und daraufhin zur Verbannung Ovids führte.

Ich stand dem Buch des Österreichers erst etwas skeptisch gegenüber, mir hatte "Morbus Kitahara" nicht besonders gut gefallen, aber ich wurde sehr rasch eines Besseren belehrt. Ein klasse Buch! Lesen!

Christoph Ransmayr

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©20.03.1999 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing