Ian Rankin - Das zweite Zeichen

Originaltitel: (02) Hide and Seek
Krimi. Goldmann Verlag 1991
317 Seiten, ISBN: 3442446082

Ein heruntergekommenes Viertel in Edinburgh, der Tote ein junger Drogensüchtiger - das Urteil Überdosis liegt auf der Hand. Fall abgeschlossen. Aber irgendetwas stört Inspector John Rebus; die Art, wie die Leiche im Wohnzimmer drapiert war, mit den brennenden Kerzen am Kopfende, dazu ein obskures Wandbild - sein Instinkt sagt ihm, dass es sich hier um mehr als nur den goldenen Schuss handelt.

Eine Untersuchung der Spritze ergibt dann auch, dass der Tote Gift injiziert hatte - und einer Freundin eindringlich ans Herz gelegt hatte, sich zu verstecken. Aber wovor? Das hatte er ihr nicht verraten. Ihre Aussagen ergeben nicht viel Sinn für Rebus; trotzdem verfolgt er jede Spur, vor allem diejenigen, die auf okkulte Zirkel in Edinburgh verweisen.

Erst der Hinweis auf eine fehlende Kamera und das leidenschaftliche Interesse des Toten für Fotografie ergeben für Rebus aber die entscheidenden Hinweise, die ihn zum Ziel führen ...

Es sind alle klassischen Elemente eines guten Krimis vorhanden: ein rauer Inspector, der aufgrund seiner Polizeiarbeit sein Privatleben so sehr vernachlässigt hat, dass die Ehe darüber in die Brüche ging; der mit seiner eigenwilligen Arbeitsweise auch unter den Kollegen den Ruf eines Eigenbrötlers erworben hat, und sich häufig mehr auf seinen Instinkt verlässt als auf die offensichtlichen Fakten.

So weit, so bekannt. Was die Reihe um Rebus aber vor allem auszeichnet, ist, dass Ian Rankin ein Gespür für Spannungsbögen hat, dass er Raum lässt für Vermutungen, dass sein Plot nicht immer linear verläuft, sondern durchaus überraschende Wendungen nimmt. Dass Rankin sein Handwerk so weit beherrscht, dass er lose Enden verknüpft, brauche ich nicht extra zu erwähnen.

Dazu kommt noch, dass Rankin einen sehr spezifischen Humor in seine Bücher packt. Vor allem in den Dialogen zeigt sich sein Talent für trockenen Schlagabtausch; sein Humor ist nicht vordergründig, kein Schenkelklatsch-Humor; manchmal liest man fast darüber hinweg, bis man merkt, was da eigentlich steht.

Wer spannende, gute Polizeikrimis schätzt, der ist bei Rankin auf jeden Fall gut aufgehoben.

Ian Rankin

Ian Rankin, 1960 in Fife geboren, lebte in Edinburgh und London, bevor er mit seiner Frau nach Südfrankreich zog. Sein erster Roman erschein 1986 und wurde von der Kritik gefeiert. Der internationale Durchbruch beim Lesepublikum gelang ihm schließlich mit seinem melancholischen Serienhelden John Rebus, der mittlerweile aus den britischen Bestsellerlisten nicht mehr wegzudenken ist.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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