Ian Rankin - Wolfsmale

Originaltitel: (03) Tooth and Nail or Wolfman
Krimi. Goldmann Verlag 1992
314 Seiten, ISBN: 3442446090

In London greift die Angst um sich; ein Serienmörder treibt sein Unwesen. Auf besonders bestialische Weise verstümmelt er seine Opfer, hinterlässt Spuren, die ihm unter den Vermittlern den Namen "Der Wolfsmann" eintragen.

Und ausgerechnet ein schottischer Inspector, ein Landei sozusagen, sollte der Londoner Polizei helfen? Aber sie hatten ausdrücklich nach Inspector John Rebus verlangt - und nun war er hier. Gewisse Strukturen, das merkte Rebus rasch, waren auch in London nicht anders als in Edinburgh; hier wie dort erschwerten Rivalitäten unter den Kollegen ein effektives Arbeiten. Und hier wie dort kam Rebus´ manchmal sehr eigenwillige Art, die Untersuchungen voranzutreiben, nicht immer gut an.

Neben den Ermittlungen zum Wolfsmann treiben Rebus aber noch ganz andere Sorgen an: seine Exfrau und seine Tochter leben jetzt in London, und er wollte die Gelegenheit nutzen, ein wenig Zeit mit ihnen zu verbringen. Dass er den neuen Freund seiner Tochter kurz darauf in zwielichtiger Gesellschaft antrifft, beruhigt ihn nicht unbedingt - und seine Tochter wiederum ist wenig begeistert von den Einmischversuchen des sonst abwesenden Vaters.

Außerdem ist da auch noch Lisa. Lisa, die an psychologischen Täterprofilen arbeitet und ihn damit auf eine Idee bringt, die von den anderen Kollegen ziemlich belächelt wird...

Was mir an diesem Krimi wunderbar gefallen hat, war die Darstellung der alten Rivalität zwischen Edinburgh und London, ein gegenseitiges Belächeln von Eigentümlichkeiten, Ian Rankin hat ein Talent dafür, hier in kleinen Nebensätzen, in Dialogen auf sehr humorvolle Weise kleine Seitenhiebe zu verpacken.

Auch der Krimiplot selbst ist spannend und solide gestrickt; das einzige, was mich ein wenig gestört hat, war der Umgang mit den psychologischen Täterprofilen, die hier als exotisches Novum präsentiert werden (was man vielleicht mit dem Erscheinungsdatum des englischen Originals erklären könnte.)

Rankin schreibt klassische Polizeiromane, sein John Rebus ist ein Einzelkämpfer, der sich sowohl beim Team als auch bei den Leuten, die ihn privat kennen, regelmäßig unbeliebt macht. Dass er zwischendurch auch ganz schön Prügel bezieht, hatte einen ganz eigenen Reiz; die Szenen, in denen der Schotte die Londoner Unterwelt erforscht, gehören zu den besten des ganzen Buches.

Spannung, Humor, ein guter Plot - was erwartet man denn eigentlich mehr von einem Krimi? Gute Unterhaltung ist garantiert!

Ian Rankin

Ian Rankin, 1960 in Fife geboren, lebte in Edinburgh und London, bevor er mit seiner Frau nach Südfrankreich zog. Sein erster Roman erschein 1986 und wurde von der Kritik gefeiert. Der internationale Durchbruch beim Lesepublikum gelang ihm schließlich mit seinem melancholischen Serienhelden John Rebus, der mittlerweile aus den britischen Bestsellerlisten nicht mehr wegzudenken ist.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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