Originaltitel: (04) Strip Jack
Krimi. (englischsprachiger Verlag) 1992
268 Seiten, ISBN: 0312965141


Im Stillen hält John Rebus die neueste Idee seines Vorgesetzten nicht gerade für dessen Glanzleistung - Razzia auf ein Bordell, allerdings eines der unauffälligen, besseren Häuser. Prostitution ist in Edinburgh zwar verboten - aber war es nicht immer noch besser, zu wissen, wo sie sich abspielte, als sie in den Untergrund zu drängen? Als die Besucher des Hauses nach und nach zum Vorschein kommen, ist allerdings auch Rebus´ Vorgesetzter gar nicht mehr so begeistert: dass ausgerechnet der beliebte Politiker Gregor Jack hier aufgefunden werden würde, damit war aus seiner Sicht nicht zu rechnen.
Irgendjemand schien aber doch damit gerechnet zu haben - oder wie sonst war es zu erklären, dass schon am nächsten Morgen nicht nur die regionalen Zeitungen voll davon waren? Auch wenn es an sich keinen strafbaren Tatbestand ausmachte, den Medien Insidertipps zu geben, weckte es doch das Interesse von Rebus, der seine ganz eigenen Nachrichtenquellen zu diesem Thema anzuzapfen gedachte.
Neugierde war es dann auch, die ihn in die Nähe von Gregor Jacks Haus trieb, und Intuition, die ihn dazu veranlasste, sich durch die Pressemeute durchzuzwängen und ein Gespräch mit dem MP selbst zu suchen. Feinde? Nein, Feinde hätte er keine, meint der Politiker; beliebt im Wahlkreis, als aufstrebendes Mitglied der Partei gezählt, hat er auch noch die richtige Frau, die ihn in der Öffentlichkeit unterstützt. Oder besser: unterstützt hatte, denn seit diesem Skandal war sie nicht mehr an Jacks Seite gesehen worden - und kurz darauf findet man ihre Leiche...
Für mich war das der erste Fall von John Rebus, den ich auf englisch gelesen habe - und dadurch den großen Unterschied zu den deutschen Übersetzungen dieser Krimis merken durfte. Zwar wäre mir nicht aufgefallen, dass die deutschen Übersetzungen schlecht wären, sie lesen sich gut, die Bücher bleiben spannend; aber eine ganz bestimmte Ebene von Humor geht leider dabei verloren.
Es ist ein echtes Vergnügen, John Rebus bei seinen Wegen durch Edinburgh zu begleiten, mit ihm hin und her gerissen zu sein, ob er nun zu seiner neuen Freundin ziehen soll oder nicht, seinen Kollegen bei ähnlichen Überlegungen zu begleiten und zu beobachten, wie weder Rebus noch sein junger Kollege den Polizistenberuf jemals ablegen können.
Dass die verschiedenen Handlungsstränge, die Rankin hier verwendet hat, sich am Ende tatsächlich noch miteinander verknüpfen, sorgt für überraschende Wendungen.
Ich habe mich großartig unterhalten - und hoffe, mit meiner Begeisterung ansteckend genug zu sein, dass auch andere Leser ins Rebus-Fieber verfallen.
Ian Rankin, 1960 in Fife geboren, lebte in Edinburgh und London, bevor er mit seiner Frau nach Südfrankreich zog. Sein erster Roman erschein 1986 und wurde von der Kritik gefeiert. Der internationale Durchbruch beim Lesepublikum gelang ihm schließlich mit seinem melancholischen Serienhelden John Rebus, der mittlerweile aus den britischen Bestsellerlisten nicht mehr wegzudenken ist.
©05.03.2003 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2009 LESELUST Daniela & Markus Brezing