Tilman Rammstedt - Erledigungen vor der Feier

Originaltitel: Erledigungen vor der Feier
Erzählung(en). Dumont Literaturverlag 2003
114 Seiten, ISBN: 3832178341

Irgendwo dazwischen ist der Ich-Erzähler in diesem Buch. Zwischen Beziehungen, zwischen Verliebtsein und schon wieder nicht mehr, zwischen den Möglichkeiten, die noch unbegrenzt scheinen.

In knapp zwanzig lose miteinander verknüpften Erzählungen wird der Leser mitgenommen auf Partys, die ohne Grund gefeiert werden, schläft nächtelang neben L., ohne mit ihr zu schlafen, tut es irgendwann dann doch, und ist sich nicht sicher, ob es dabei jetzt bleiben soll; Exfreundinnen tauchen auf und verschwinden wieder, man hört Kindheitsgeschichten und den alljährlichen Weihnachtsdramen, die Eltern lassen sich plötzlich scheiden...

Und all das plätschert vor sich hin, ist schön formuliert, hat mich beim Lesen durchaus einige Sätze mehrmals lesen lassen; dann sind die 100 Seiten schon rum und man klappt das Buch ohne Bedauern zu.

Der Autor hat wirklich Gespür dafür, wie er Situationen beschreibt, kann Details - wie die Szene, als er überlegt, ob er L. jetzt küssen soll oder nicht - außergewöhnlich gut beschreiben, findet die richtigen Worte, formuliert Sätze, die man sich gerne merken möchte, weil sie diesen bestimmten Punkt so genau treffen.

Und daher freue ich mich auch schon drauf, wenn Tilman Rammstedt in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft diese Gabe nutzt, um auch etwas mehr zu erzählen, etwas Ganzes aus den kurzen Skizzen macht - momentan sind es für mich noch Perlen auf einer zu dünnen Schnur.

Tilman Rammstedt

Tilman Rammstedt wurde 1975 in Bielefeld geboren und studierte Philosophie und Literaturwissenschaft in Edinburgh, Tübingen und Berlin. Er ist Texter bei der Gruppe "Fön" und ständiges Mitglied der Lesebühne "Visch und Ferse". 2001 war er Preisträger des Berliner Open Mike. Tilman Rammstedt lebt in Berlin

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©08.03.2003 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing