Michel Quint - Nur ein wenig lieben

Originaltitel: Aimer à paine
Roman. btb (Bertelsmann Taschenbuch) 2003
156 Seiten, ISBN: 344275092X

Als Michel 1972 als französischer Austauschstudent nach Deutschland kommt, ist er voller Vorurteile - schließlich fährt er, der Sohn eines Kämpfers der Resistance, in das Heimatland der Nazis.

Sein Empfang bei der deutschen Familie hätte nicht herzlicher ausfallen können; sogar ein Harmonium hatte man für ihn geliehen, in der irrigen Annahme, ein Franzose müsse einfach musikalisch sein.

Aber das Beste an Deutschland war Inge, eine junge Frau, die er abends beim Tanzen kennen gelernt hatte. Sehr rasch weiß er: das ist die eine Frau, mit der er sein Leben verbringen könnte - obwohl sich die Annäherung schwierig gestaltete.

Aber sie nimmt ihn mit in ihren Reitclub - einen Club, der vornehmlich für die bessere Gesellschaft reserviert ist, wie rasch zu merken ist. Für die Nazis also, die nach dem Krieg wieder zu Wohlstand und Ansehen gekommen sind, als hätte sich nichts geändert. Doch in diesem Reitclub findet er noch mehr: hier findet er Menschen, die sich während des Krieges versteckt hatten, die Widerstand geleistet hatten.

Und bei seinen Streifzügen durch die Gaststuben der Wirtshäuser, die sein Gastvater einrichtete, begegnete er dann auch dem einen Mann, den er nie erwartet hatte - dem Mann, der damals befohlen hatte, dass sein Vater und Onkeln nach dem Sabotageakt als Geiseln genommen wurden...

So anrührend ich die erste Geschichte, "Die schrecklichen Gärten" fand (wenn auch nicht als Buch, sondern als Erzählung) - so überzeichnet erschien mir diese Fortsetzung.

Wahrscheinlich hätte ich auch hier wieder warten sollen, bis mir erzählt wird, was in diesem Buch steht, statt es selbst zu lesen - denn alleine schon die Sprache ist ein Grund, dem Büchlein nicht allzuviele Sympathien entgegen zu bringen. Sehr sehr schlichte, einfache Sprache, keine vollständigen Sätze; keine psychologische Ausarbeitung der Charaktere, die Geschichte wird erzählt, als wäre es Thema eines Schulaufsatzes. Man kann erahnen, welche Komplexität hinter der Geschichte steckt, aber zumindest ich konnte sie nicht glauben. Für mich hätte es gereicht, die Konflikte eines Liebespaares zu erleben, das sich aus Täter- und Opfer-Generation zusammensetzt; doch die Tragik, die sich daraus noch ergibt, war für mich ein deutliches "zu viel".

Michel Quint

Michel Quint wurde 1949 in der Provinz Pas-de-Calais geboren, studierte Literatur und Theaterwissenschaften. geboren. Er lebt heute mit seiner Familie in Lille

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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