Hans S. Petersen - Geest

Originaltitel: Geest
Krimi. Europa Verlag 2001
224 Seiten, ISBN: 3203810190

Ein junges, ausgesprochen hübsches Mädchen wird vergewaltigt und ermordet. Eines ist den Bewohnern des Dorfes klar: aus ihren Reihen kann das keiner gewesen sein. Da gibt es nur einen, der in Frage kommt: der Fremde. Der Asylant, der hier in einem Gasthaus lebt, und den man ohnehin schon lange aus dem Dorf ekeln wollte.

Pech nur, dass Kommissar Fleischer, der aus der Stadt hinzugezogen wird, um den Fall zu untersuchen, nicht ebenfalls sofort dieser Meinung ist. Dass er weitergräbt, und im Dreck, den die Dorfgemeinschaft unter den Teppich zu kehren versucht, eine gewaltige Menge Hass und Verderben findet. Aber bevor er hier für Ordnung sorgen kann, müssen noch weitere Menschen sterben...

Angefangen hat dieser deutsche Krimi wirklich gut. Die dörfliche Enge, das Zusammenhalten, das sofort nach außen gezeigt wird, sobald ein Fremder auftaucht, und die Feindschaften, die man erst auf den zweiten Blick erkennt, das hat der Autor wirklich prima eingefangen.

Aber dann hat er, anstelle seine Geschichte zu erzählen, einfach kein Ende gefunden mit all dem Schrecken, der in dem Dorf noch verborgen ist. Ein Mörder und Vergewaltiger alleine reicht da nicht; der Leser muss wirklich von jedem einzelnen Dorfbewohner erfahren, welchen Dreck dieser am Stecken hat, welche absonderlichen Gelüste, welche Abscheulichkeiten er unter der glatten Maske verbirgt.

Und das wird relativ schnell ermüdend - so sehr, dass man irgendwann eigentlich gar nicht mehr wirklich wissen will, wer denn nun das hübsche junge Mädchen ermordet hat. Und man außerdem schon sehr früh eine Ahnung hat, die sich dann auch noch als richtig herausstellt…

Hans S. Petersen

Hans S. Petersen, 1962 in Sonderburg / Dänemark geboren, wuchs zweisprachig auf, studierte Jura in Göttingen und Volkswirtschaft in Kiel und arbeitete acht Jahre in den Auslandsabteilungen verschiedener GBanken in Frankfurt und Kopenhagen. Seit 1995 lebt er als freier Schriftsteller und Journalist in Berlin. Er hat bereits mehrere Romane veröffentlicht.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©12.10.2001 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing