Christoph Peters - Kommen und gehen, manchmal bleiben

Originaltitel: Kommen und gehen, manchmal bleiben
Erzählung(en). Frankfurter Verlagsanstalt 2001
186 Seiten, ISBN: 3627000854

Vierzehn Geschichten beinhaltet dieser Band; Erzählungen, die immer wieder um eines Kreisen: ankommen, gehen, und manchmal auch bleiben.

Herzbube lässt uns mit einem hochintelligenten Germanisten mitleben; er arbeitet gerade an seiner Habilitationsschrift, allerdings finanziert er sie selbst, denn die Themen, die er auswählt, interessieren sonst keinen. Auch, wenn er nachher wieder erfährt, dass seine Arbeit mehr als nur hervorragend war. Bodenpersonal am Flughafen, damit verdient er seinen Lebensunterhalt. Nichts, was ihn gedanklich von seiner Arbeit ablenken könnte. Aber dann - eine seltsame Begegnung am Bahnsteig, ein kurzer Blick in ein astronomisches Schmierblatt, und sein Leben gerät aus den Fugen...

Metzinger heißt die Geschichte eines Verfolgungswahns. Ein typisches Hinterhaus, mit all den zwangsläufigen Kontakten zu den Nachbarn, mit den Einblicken in deren Privatleben. Was tun, wenn man befürchtet, der Nachbar trachte einem nach dem Leben?

Ria und Grete sind zwei Schwestern, die beide nie geheiratet haben und jetzt ihren Lebensabend gemeinsam verbringen. Eigentlich erlebt man sie immer nur streitend; außer, wenn Karl wieder einmal da war, um den Rasen zu mähen. Dann sprechen sie lange Zeit gar nichts miteinander. Erst nach Gretes Tod erfährt der Erzähler, was es mit dem Paar Schuhe auf sich hat, die Karl als Meisterstück produziert hatte.

Der Dattelhain ist keine Fata Morgana... aber die Frau, die ihn der deutschen Gruppe zeigt, um sie für ein Projekt zu gewinnen, fast ebenso unerreichbar.

Das Mittagessen hingegen könnte in jedem Haushalt spielen; wenn die Tochter das erste Mal ihren neuen Freund mit nach Hause bringt. Und die Mutter vor Nervosität gar nicht mehr aufhört zu reden

Wenn man in einer belebten Einkaufsstraße in einem Straßencafe sitzt, kann man oft Gesprächsfetzen aufschnappen. Manchmal vermischen sich zwei Geschichten, dann wieder kann man einer über einen längeren Zeitraum folgen, von wieder anderen fängt man nur unzusammenhängende Bruchstücke auf. Und so ging es mir auch beim Lesen dieses Buches. Christoph Peters kann zweifelsohne wunderbar erzählen. Aber ich fühlte mich dennoch wie ein Zaungast, der heimlich lauscht und dem dadurch oft Anfang, Ende oder die entscheidende Wendung im Verlauf einer Erzählung entgehen.

Christoph Peters

Christoph Peters wurde 1966 in Kalkar am Niederrhein geboren. Er besuchte das Bischöfliche Internatsgymnasium Collegium Augustinianum Gaesdonck. Danach studierte er Malerei an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe; 1993 Meisterschüler. Seit 1995 ist er am Flughafen Frankfurt/Main als Fluggastkontrolleur beschäftigt. Seit seinem Durchbruch als Schriftsteller lebt er in Berlin.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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