Originaltitel: Les Choces
Roman. dtv Der TaschenbuchVerlag 1965
140 Seiten, ISBN: 3423131810
Wenn sie eine große Wohnung haben könnten, die mit geschmackvollen, klassisch schönen Möbeln eingerichtet wäre; wenn sie genügend Geld hätten, sich die Dinge leisten zu können, die jetzt unerreichbar sind; wenn sie nicht dauernd nach allem streben müssten, was doch notwendig ist, dann, ja dann, würden sie endlich glücklich sein.
Ein fester Job, der ihre tägliche Anwesenheit in einem Büro erfordern würde, kommt für sie nicht in Frage - und auch nicht für ihre Freunde, die auch sonst ihre Einstellungen weitgehend teilen, die sie großteils bei den Werbeagenturen kennen gelernt haben, für die sie freiberuflich Marktforschungen durchführen.
Je älter sie werden, umso mehr ihrer Freunde springen dann aber doch von diesem freien Leben ab, passen sich an eine der früher so verachteten bürgerlichen Existenzen an, mit festem Job, womöglich noch einem Häuschen in den Vororten - und sie selbst? Nein, so wie diese wollen sie nicht leben, aber ihre eigene Existenzgrundlage gerät auch ins Wanken, die Marktforschung bringt nicht mehr das ein, was sie früher über die Runden brachte.
So wächst dann der Entschluss, ein völlig anderes Leben zu führen, zumindest für ein Jahr nach Tunesien zu gehen und da zu unterrichten...
Für den Leser bleibt das Protagonistenpaar völlig blass, austauschbar - sie entwickeln keine Persönlichkeit, man erlebt kein einziges ihrer Gespräche mit, alles, was man von ihnen erfährt, sind Äußerlichkeiten. So, wie sie ja auch ihr ganzes Leben an Äußerlichkeiten ausrichten.
Was an dem Buch allerdings wirklich interessant ist, ist die Zeitlosigkeit: obwohl in den 60er Jahren geschrieben, könnte man sich gerade diese Clique, auch die Branche, heute genauso vorstellen; die Werbeagenturen, die mit der ganzen New Economy zuletzt einen riesigen Aufwind hatten und dann umso tiefer gestürzt sind, passen mitsamt ihren Mitarbeitern und deren Lebensstil zu den im Buch geschilderten.
Die Bezeichnung "Roman" finde ich dafür etwas irreführend; es gibt kaum Handlung, es ist vielmehr eine Aufzählung verschiedenster Aspekte dieses Lebens. Und weil man den Menschen nicht persönlich nahe kommt, wird es auch - trotz der Kürze des Buches - zwischendurch ganz schön langweilig.
Georges Perec, 1936 in Paris geboren und 1982 dort gestorben, Schriftstellre und Literaturkritiker, gehörte der "Werkstatt für potentielle Literatur" an, einer Literatengruppe, die sich mit Experimenten quasi-mathematischer Ausrichtung und mit überbordendem, sprachspielerischem Witz einen Namen machte.
Zeruya Shalev - Für den Rest des Lebens
Zeruya Shalev nimmt auch in diesem Roman ihre Leser mit auf eine Reise in die Dunkelkammer der Familien: lieblose Ehen, qualvolle Mutter-Kind-Beziehungen und die Besessenheit von der Gewissheit, dass es für den Rest des Lebens noch mehr geben muss als das, was die Gegenwart bietet. [..MEHR..]
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