Daniel Pennac - Monsieur Malausséne

Originaltitel: Monsieur Malausséne
Roman. KiWi Taschenbuch Verlag 1997
608 Seiten, ISBN: 346203099X

Der Klappentext verspricht folgenden Buchinhalt:

"Mitten in Belleville liegt das alte Kino Zébre, Treffpunkt der Malaussènes und ihrer Freunde. Dort wird gefeiert und eine einmalige Filmvorführung geplant. Dort heckt man Hilfsaktionen für in Not geratene Nachbarn aus, entsteht ein Theaterstück. Nun soll das Zèbre abgerissen werden. Das ist nicht der einzige Schlag für Belleville, denn zugleich bringt eine Serie grauenhafter Morde die Bewohner in Rage. Und Benjamin Malaussène in Gefahr. Er, der geborene Sündenbock, gilt als der Hauptverdächtige und wandert ins Gefängnis. Ade Geschwisterschar und ehemaliger Haushaltswarenladen. Ade Julie, die ein Kind von Benjamin erwartet. Diese von ihm zwiespältig begrüßte Schwangerschaft nimmt jedoch einen alles andere als konventionellen Verlauf. Doch dank einer Pennacschen Volte wird Benjamin gerettet und glücklicher Vater."


Soviel also zum Inhalt. Da gibt es noch eine Abtreibung, die keine ist, eine Nonne, der ein abgetriebener Fötus eingepflanzt wird, ein Personenverzeichnis von zwei Seiten, einen richtigen Schocker schon auf der ersten Seite - jedenfalls wusste ich schon nach der ersten Seite: Nein, definitiv kein Buch, an dem ich auch nur den geringsten Spaß habe. Die Sprache ist für meinen Begriff viel zu überladen, die erzählte Geschichte so ekelhaft-absurd, dass mein Interesse daran, was denn nun weiter passiert, in der Nähe der Nulllinie dahindümpelt. 30 Seiten ganz, 90 nur noch quergelesen, danach war es für mich genug: es war mir eine Qual, das Buch wieder zur Hand zu nehmen.

Aber neugierig war ich darauf, was denn den Zauber dieser Serie ausmacht, immerhin verkauft sich die Malaussène-Reihe ausgesprochen gut, gibt es viele Fans dieser absurden Familie. Von Leichtigkeit, von Esprit ist da die Rede, von wunderbarer Unterhaltung, anrührenden Szenen - und ich frage mich: wo in dieser völlig überladenen Erzählweise, in diesem metaphern-übersättigten Wortwust findet sich *Leichtigkeit*? Wenn schon Vergleiche, dann kommt mir hier eher eine schwerverdauliche Buttercremetorte in den Sinn; fettig, schwer im Magen liegend, nur in kleinsten Mengen genießbar. Von kleinen Mengen kann bei Pennac aber keine Rede sein - das Buch hat immerhin 600 Seiten, und ist auch als Taschenbuch sehr hochpreisig.

Dass die Anzahl der Protagonisten nicht gerade zur besseren Lesbarkeit des Buches beiträgt, ist vielleicht nachvollziehbar. Wie soll hier Raum genug sein, der einzelnen Person Charakterzüge zuzuordnen, die sie menschlich werden lassen, die nicht nur eindimensionalen Abziehbildern gleichen?

Für mich war dieses Buch bislang der größte Fehlgriff in diesem Jahr - entsprechend empfehle ich es auch nicht weiter.

Daniel Pennac

Daniel Pennac, 1944 in Casablanca geboren, hat lange als Lehrer gearbeitet. Seine Malaussène-Romane sind in Frankreich Bestsellererfolge und gewannen auch in Deutschland eine Fangemeinde. Pennac, der außerdem Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht hat, lebt und schreibt in Belleville/Paris

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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