Originaltitel: Nas Tuas Máos
Roman. Luchterhand Literaturverlag 2002
319 Seiten, ISBN: 3630871224

Von drei Generationen von Frauen erzählt dieses Buch; Jenny, die älteste, gehörte in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg zur besseren Gesellschaft von Lissabon. Wie sehr wurde sie damals beneidet um die gute Partie, die sie machte, um diesen gutaussehenden, charmanten Ehemann. Doch schon die Hochzeitsnacht verbringt er nicht mit ihr, sondern mit Pedro, seinem Geliebten. Niemals wird sie die körperliche Liebe erfahren - doch so ungewöhnlich ihr Lebensentwurf auch ist, sie ist glücklich mit ihren beiden Männern, die sie beide auf ihre Art lieben. Eifersucht quält eher ihren Mann; denn eines Tages kommt Pedro mit einem Kind an, seiner Tochter - die von Jenny wie ein eigenes Kind aufgezogen wird.
Von Camila handelt der zweite Teil des Romans; sie erzählt ihre Geschichte über Bilder, sie ist eine bekannte Fotografin geworden - und hat zwei Männer verloren, die sie geliebt hatte. Ihre erste große Liebe stirbt an einem Blitzschlag am Strand - die zweite im Bürgerkrieg in Mosambique. Eine Tochter bringt sie mit nach Hause, ein portugiesisch-afrikanisches Temperamentbündel, das alles anders machen will, das weder mit der Art, wie die Mutter, noch, wie die Großmutter Liebe lebten, konform geht. Wo die beiden von Gefühlen getrieben wurden, handelt Natália nach ihrem Kopf, lässt die Vernunft sprechen. Bis eines Tages auch sie erlebt, was die Beiden erfahren durften...
Im ersten Teil, präsentiert als Tagebuch von Jenny, war ich oft nahe dran, das Buch genervt wegzulegen. Zu viel Gefühlsduselei, die sich vor allem in einer sehr über-poetisierten Sprache bemerkbar machte. Camilas Fotobericht war manchmal langweilig - doch richtig versöhnt mit dem Buch haben mich dann die Briefe der Enkelin an ihre Großmutter, auch wenn sie sie nicht abschickte.
Mag sein, dass mir hier einfach die Sprache näher war, denn die Autorin hat wohl bewusst auch sprachlich den Generationenunterschied deutlich machen wollen; mag auch sein, das mir das Lebenskonzept am wenigsten fremd war, das die gesellschaftlichen Umstände mir vertrauter waren, jedenfalls: in diesem letzten Drittel zeigt sich eine Autorin, von der man noch einiges erwarten darf.
Inés Pedrosa wurde 1962 in Coimbra geboren, studierte Kommunikationswissenschaften in Lissabon und arbeitete als Journalistin und Redakteurin für verschiedene Zeitschriften. Sie erhielt mehrere Preise für ihre journalistische Tätigkeit, publizierte 1991 ein Kinderbuch, 1992 einen Jugendroman und erhielt für ihren zweiten Roman "In deinen Händen" den Prémio Máxima de Literatura.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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