Tim Parks - Schicksal

Originaltitel: Destiny
Roman. Verlag Antje Kunstmann 2001
281 Seiten, ISBN: 3442448492

Chris Burton lebt mit seiner Frau erst seit 3 Monaten wieder in England, als er an der Rezeption seines Hotels die Nachricht vom Selbstmord seines Sohnes erhält.

Sein erster Gedanke ist, dass es nun keinen Grund mehr gibt, warum er und seine Frau ein Paar bleiben sollen, dass nun alles, was sie noch verbunden hatte, die Sorge um den psychisch kranken Sohn, entfällt.

Sie reisen sofort nach Italien zurück. Während der Reise merkt Chris, wie sehr die Entfremdung zunimmt, dass er unfähig ist, ihr Trost bieten zu können, dass er auch unfähig ist, wirklich zu trauern. Zu viele Gedanken kreisen noch in seinem Kopf; seine Karriere, das Buchprojekt, dass jetzt beinahe abgeschlossen ist - nur ein Interview fehlt ihm noch; der Liebhaber seiner Frau, der ihm mit der Veröffentlichung eines Buches zuvorgekommen ist; der Familienkrieg, das bedrückende Schweigen zwischen seiner Frau und der Adoptivtochter - sie hatten nicht mehr daran geglaubt, auch selbst noch ein Kind bekommen zu können; und die Krankheit des Sohnes, der nun tot war, der sich plötzlich geweigert hatte, weiterhin italienisch mit der Mutter zu sprechen, der gewalttätig wurde, und dem nur die Entfernung zu seinen Eltern zu helfen schien.

Alleingelassen mit seiner Trauer, auch selbst krank, von seiner Frau am ausgegrenzt, verlässt er sie....

Ein sehr berührendes Thema: wie geht man mit der schrecklichen Nachricht um, dass ein geliebter Mensch, dass der eigene Sohn, Selbstmord begangen hat? Wie soll man dem Gefühl, versagt zu haben begegnen? Die Schuldgefühle überleben?

Und immer dann, wenn der Erzähler, Chris Burton, sich gedanklich mit seinem Sohn, seiner Familie auseinandersetzt, schmerzt das Buch auch durch seine Offenheit und Klarheit.

Leider gilt ein viel zu großer Anteil der wirren Gedanken des Erzählers aber seiner Karriere, seinem Monumentalwerk, dem Buch, dass alles erklären soll und als Gipfel, als Beweis seiner These ein Interview beinhalten soll, dessen Antworten er voraussagen könne. Ich als Leser, würde ich in einem Buch zuletzt ein Interview abgedruckt finden, und zuvor die Auskunft des Autors, er vermute, dies oder jenes würde der Befragte antworten, käme mir nicht ganz ernst genommen vor. Aber dieser Sprung in seine Berufswelt - so wichtig er gerade in diesem Zusammenhang auch ist, diese Demonstration, dass trotz der schrecklichen, niederschmetternden Nachricht unsere Gedanken gleichermaßen auch noch dem Alltag gelten - verleitet zum Überblättern.

Und das ist schade. Denn sowohl die Thematik als auch die Form, ein sprunghaftes Nebenher von Gedanken, Gesprächen, Gefühlen von heute und gestern sind sehr reizvoll, aber leider nicht genug für ein wirklich aufwühlendes Buch.

Tim Parks

Tim Parks, geboren 1954 in Manchester, gewann zahlreiche Literaturpreise, darunter den Somerset- Maugham- Award. Er lebt als Autor und Übersetzer (ua von Italo Calvino und Alberto Moravia) in Verona.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:

  • Schicksal
  • Die Kunst stillzusitzen: Ein Skeptiker auf der Suche nach Gesundheit und Heilung

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