Originaltitel: --
Erzählung(en). CH Beck Verlag 2000
125 Seiten, ISBN: 3406465757
Als er eines Morgens den Anruf seiner Schwägerin entgegennimmt, die ihm mitteilt, sein Zwillingsbruder hätte sich letzte Nacht das Leben genommen, ist er nicht wirklich überrascht.
Er hatte es gespürt - auch wenn die beiden Brüder sich in ihren letzten Jahren voneinander entfremdet hatten, bewusst andere Wege gingen, um endlich als Individuen wahrgenommen zu werden.
Für den Überlebenden beginnt nun die Zeit des Abschiednehmens, aber auch der Identitätssuche: was ist er eigentlich, ohne sein Spiegelbild?
Wer diese Erzählung liest, wird auf einen düsteren Spaziergang durch eine Kindheit in Graz in den späten 60er-Jahren mitgenommen; vom Vertuschen ist hier hauptsächlich die Rede, von Züchtigung - und vom Schein, der nach außen gewahrt werden muss.
Von der erdrückenden Schwere und der Ablehnung der heimatlichen Umgebung wurde ich schon sehr an Thomas Bernhard erinnert.
Der Autor hat große erzählerische Qualitäten vorzuweisen; ich bin auch neugierig auf seine anderen Texte geworden. Trotzdem lässt mich diese unglaublich negative Einstellung mit einem leichten Befremden zurück, und ich kann das Buch nur bedingt weiterempfehlen.
Wilfried Ohms, 1960 in Graz geboren, hat Orientalistik und Philosophie in Wien studiert, wo er heute nach mehreren Auslandsaufenthalten lebt. Zahlreichen Veröffentlichungen folgten die zwei Romane "Brückenwärter" und "Kaltenberg. Ein Abstieg"
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