Originaltitel: Walking on Water
Krimi. Kabel Verlag 2001
358 Seiten, ISBN: 3492237630/
Als Recaldo sich nach seinem Herzinfarkt und der Scheidung in den kleinen Ort an der Küste versetzen ließ, wollte er nur noch eines: ein geruhsames Leben, die großartige Natur genießen können, Zeit für seine Musik zu finden. Dass seine beiden Söhne dem Landleben nichts abgewinnen könnten, nicht einmal für ein Wochenende, nahm er gefasst auf. Und dass er jetzt sogar noch einmal einer Frau begegnen durfte, die er lieben konnte, nahm er als Geschenk - obwohl es noch keine Aussicht auf ein glückliches Zusammenleben gab. Denn Cressida Sweeny ist verheiratet - mit einem grausamen, älteren Mann. Als sie geheiratet hatten, war er vermögend; mittlerweile schrumpfte das Kapital täglich mehr, und seit sich herausgestellt hatte, dass der gemeinsame Sohn behindert war, hatte er begonnen, seine Frau zu schlagen.
Aber was hat Cressida mit dem Tod von Evangeline Walters zu tun? Eines Morgens wird die Amerikanerin tot aufgefunden - an einen Baum gelehnt, wie sie es auch zu Lebzeiten immer zu halten pflegte. Recaldo, als zuständiger Polizist, ist verstört - denn in unmittelbarer Nähe findet er einen Haarkamm von Cressida, den sie am Vortag noch getragen hatte. Dennoch überzeugt von ihrer Unschuld, gräbt er immer tiefer in der Vergangenheit auf der Suche nach einem Menschen, der ein Motiv gehabt haben könnte, die Amerikanerin zu töten...
Warum glauben Krimiautoren eigentlich so häufig, dass sich alleine dadurch Spannung erzeugen lässt, indem man so viele Handlungsstränge wie möglich aufbaut, dem Leser so viele Details wie nur irgend möglich vorenthält, um so künstlich die Neugierde darauf zu schüren, was das soeben gelesene eigentlich zu bedeuten hat? In Maßen angewandt sicherlich ein gutes Stilmittel; allerdings sollte der erzählte Plot dann von selbst tragfähig genug sein, den Leser bei der Stange zu halten.
Gemma O´Connor ist das in meinen Augen mit diesem Buch nicht gelungen. Sie kann schreiben, kann erzählen, aber... es reicht nicht. Ihr Plot ist konstruiert und langweilig. Ich habe wirklich schon bessere Krimis gelesen - aber, zur Ehrenrettung der Autorin, auch noch viel schlimmere. Man kann sich durchaus einen Abend lang die Zeit vertreiben, aber wenn man die Wahl hat, lohnt es sich, noch ein wenig weiter nach einer passenden Lektüre zu suchen.
Gemma O´Connor wurde in Dublin geboren und lebt heute in Oxford. Sie war zunächst als Buchbinderin und Restauratorin, dann als Herausgeberin tätig. 1995 veröffentlichte sie mit großem Erfolg ihren ersten Roman.
©23.11.2001 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2009 LESELUST Daniela & Markus Brezing