Originaltitel: Stupeur et tremblements
Roman. Diogenes 2000
156 Seiten, ISBN: 3257062508

Es ist eine Ehre, als ausländische Frau in einem japanischen Unternehmen einen Job zu erhalten. Das war Amélie klar - sie wollte auf alle Fälle zurück in das Land, in dem sie die ersten paar Lebensjahre verbracht hatte, das Land, dessen Schönheit sie seither nicht mehr losgelassen hatte.
Nur: man hatte ihr nichts zu tun gegeben. Ihre einzige Aufgabe bestand lange Zeit darin, ihren Vorgesetzten die Getränke zu servieren. Höchst eigenständig hatte sie sich auch daran gemacht, die Kalender täglich zu aktualisieren oder die Post auszuteilen - eine Schande für ihre Vorgesetzten.
Sie erhält neue Aufgaben - das Kopieren der Satzungen eines Golfklubs, und ähnlich aufregende Dinge. Dann, eines Tages, die Chance - ein Leiter einer anderen Abteilung bittet sie, entgegen aller Hierarchiestrukturen einen Bericht für ihn auszuarbeiten. Eine Aufgabe, der sie aufgrund ihres Studiums und ihres Interesses mehr als nur gewachsen war. Die Arbeit, die sie ablieferte, war ausgezeichnet - nur leider kam dieses unorthodoxe Vorgehen dem obersten Chef zu Ohren, der gar nicht anders konnte, als sein Gesicht zu wahren.
Verraten worden war sie ausgerechnet von Fräulein Mori, ihrer Vorgesetzten, die sie als Freundin betrachtet hatte - doch diese konnte sich mit dem raschen Aufstieg ihrer Untergebenen nicht anfreunden....
Meine Meinung zu diesem Buch ist etwas zwiespältig. Einerseits beschreibt sie sehr amüsant Hierarchiestrukturen und Machtgefälle.
Die Autorin hat selbst in Japan gelebt, der Hintergrund dieses Romans ist autobiographisch; und doch konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier sämtliche Klischees, die über das Leben in Japan existieren, aufgezählt wurden, um die Erwartungen des Lesers zu erfüllen.
Ich kann es nur aus meinem Gefühl heraus beurteilen - und aus der Lektüre junger japanischer Autoren, deren Bücher eine etwas andere Sprache sprechen.
Fazit: ein schnell gelesenes Buch, aus dem ich nur mit Vorbehalt und Bauchschmerzen mein Japanbild zimmern möchte, aber eine Autorin, von der ich gerne noch mehr Bücher lesen würde.
Amélie Nothomb, 1967 in Kobe geboren, hat ihre Kindheit und Jugend als Tochter eines belgischen Diplomaten in Japan und China verbracht. Nach Abschluss ihres Philologiestudiums hat sie beschlossen, sich ganz dem Schreiben zu widmen. Sie lebt in Brüssel und Paris.
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Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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