Iris Murdoch - Das Meer, das Meer

Originaltitel: The Sea, the Sea
Roman. Deuticke 1978
687 Seiten, ISBN: 3216304817

Charles Arrowby hat sich von seinem Leben am Theater zurückgezogen, sich ein kleines, spartanisch eingerichtetes Häuschen am Meer gekauft und plant, hier nun seine Memoiren zu schreiben.

Ein Unterfangen, das sich schwieriger gestaltet, als erwartet. Die Worte wollen nicht so recht aus ihm herausfließen, über detaillierte Schilderungen seiner Kochkünste und seiner Schwimmübungen im Meer kommt er anfangs nicht hinaus.

Zudem fängt er an, auch wenn er es sich nicht eingestehen will, sich einsam zu fühlen. Er erinnert sich an die Frauen seines Lebens zurück, will, wie bisher, umschwärmt sein, ohne sich binden zu müssen. Einer längeren Beziehung ist er bisher immer durch den Hinweis auf die eine große Liebe seines Lebens, Hartley, aus dem Weg gegangen - seine Kinderliebe, die ihn eines Tages verlassen hatte, die er aber nie vergessen konnte.

Und dann passiert das unfassbare: Hartley, die Frau, die damals wie vom Erdboden verschluckt schien, ist hier! In seiner Nähe, sie lebt in dem Ort, an dem er sich niedergelassen hatte. Das konnte kein Zufall sein! Die alte Liebe flammt stärker denn je in ihm wieder auf, und die Hindernisse, die sich in den Weg stellen, glaubt Charles mit einer Handbewegung wegwischen zu können. Sie ist verheiratet? Na und! Er hat doch ein Gespräch belauscht, die Ehe kann nicht glücklich sein.

Und so plant er eine Aktion, wie er sie aus ihrem unglücklichen Leben retten kann...

Auch wenn ich persönlich diesen beinahe 700 Seiten umfassenden Roman etwas gekürzt hätte - ich mag einfach die Art und Weise, wie Iris Murdoch ihre Protagonisten in eine große persönliche Krise schlittern lässt.

Diesmal muss Charles Arrowby lernen, dass er sein Leben auf einer großen Selbstlüge aufgebaut hat. Wie er das erfährt, welche absurd erscheinenden Verwicklungen dazu führen, nimmt immer wieder überraschende Wendungen, sogar ein Todesfall ist zu beklagen.

Charles ist ein Mensch, der durchaus zur Selbstreflektion fähig ist, wie sich immer wieder zeigt. Und dass die Autorin sich intensiv mit Philosophie beschäftigt hat, merkt man dem Buch auch an.

Sehr lesenswert, auch wenn es für mich persönlich nicht an "Der schwarze Prinz" heranreicht.

Iris Murdoch

Iris Murdoch wurde 1919 als Tochter anglo-irischer Eltern in Dublin geboren, studierte klassische Philologie in Oxford und Philosophie in Cambridge. Im 2. Weltkrieg arbeitete sie für die Flüchtlingshilfe der UN. Sie starb im Februar 99, nachdem sie in den Jahren davor an Alzheimer erkrankt war.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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