Originaltitel: Liebeserklärungen
Roman. Diogenes 1993
171 Seiten, ISBN: 3257228597


Während einer Sommerreise, als an ihrem Tisch erst von beruflichen Erfolgen und dann plötzlich von der Liebe gesprochen wird, fängt alles an - die Erzählerin, Single, die die anderen, die immer zu zweit waren, glücklich wähnte - hörte mal wieder die Geschichte einer glücklichen Ehe - und von deren Beginn. Paul, ein 40jähriger Lebemann mit 16 Geliebten, begegnet Mimi, einem jungen, unschuldigen Mädchen, und verlässt daraufhin seine anderen Geliebten, um mit Mimi für den Rest der Tage glücklich zusammenzuleben.
Die Frage, was aus den abgewiesenen Geliebten geworden wären, führt die Erzählerin von Geschichte zu Geschichte - zu Atala, die für Paul ihren Mann verlassen hatte, davon, was aus ihrem Mann nach der Trennung geworden war, führt sie weiter zu den Frauen, die sich nach Atala in Gabor verliebt hatten.
Immer weiter spinnt sich der Reigen, erzählt von der unerfüllten Liebe, der abgewiesenen Liebe, vom Troika-Modell, um schließlich wieder am Ausgangspunkt zu enden: bei dem Mann mit den bernsteinfarbenen Augen, der damals auch mit am Tisch gesessen hatte...
Herrlich, köstlich, einfach wunderbar!
Viele der Szenen in diesem Buch kennt man einfach - sei es, das von unerwiderter Liebe gesprochen wird. Und das alles in einer Sprache, die amüsant, witzig, oft auch herrlich bissig ist. Besonders positiv zu vermerken ist, dass trotz allen Humors, trotz aller Tragik das Buch nie ins Kitschige oder Klamauk-Ulkige abdriftet.
Ein ganz großer Genuss - ein Buch, dem ich noch sehr viele Leser wünsche!
Sibylle Mulot, geboren 1950 in Reutlingen, Studium der Literaturwissenschaft, Promotion über Robert Musil. Ausbildung zur Journalistin bei der Süddeutschen Zeitung. Nach längeren Aufenthalten in Wien und Rom lebt Sibylle Mulot jetzt in Frankreich.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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