Harry Mulisch - Die Entdeckung des Himmels

Originaltitel: De ontdekking van de hemel
Roman. Rowohlt Verlag 1993
797 Seiten, ISBN: 3499134764

Glaubt die Menschheit noch an einen Gott, einen Himmel? Oder sind sie mittlerweile so selbstgefällig, zu glauben, ihre ganzen technischen Errungenschaften machten einen Gott überflüssig?

Es existiert ein Beweis für das Versprechen, das Gott einst den Menschen gegeben hatte. Doch dieses Versprechen darf den Menschen nicht in die Hände fallen, dieser Beweis muss beseitigt werden. Kein so leichtes Unterfangen!

Zu diesem Zweck werden die unterschiedlichsten Menschen zusammengebracht, um schließlich zur Zeugung und Erziehung dessen zu führen, der diesen Auftrag ausführen kann.

Das ist auch der Grund für das Treffen von Max und Onno. Zwei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können; Max ein Astronom, gründlich, pedantisch - dagegen Onno, der Autodidakt, der an der Erforschung altertümlicher Schriften arbeitet, und im vollen Chaos lebt.

Ihre zufällige Begegnung hat für beide tiefe Auswirkungen: es ist beiden neu und fremd, eine so enge Beziehung einzugehen, dem anderen so viel erzählen zu können. Und reden ist auch ihre Hauptbeschäftigung; im Gespräch entwickeln sie die aberwitzigsten Theorien.

Daran ändert sich auch nichts, als Max eines Tages Ada kennen lernt und mit ihr eine für ihn untypisch lange Beziehung eingeht - die dann doch ein sehr abruptes Ende findet. Max verreist für einige Zeit - und muss dann feststellen, dass in der Zwischenzeit aus Onno und Ada ein Paar geworden ist. Die Freundschaft bleibt bestehen, intensiviert sich sogar noch.

Und als Ada die Gelegenheit erhält, in Kuba aufzutreten, nutzen Max und Onno die Gelegenheit, ebenfalls mit ihr zu reisen. Ein Entschluss, den vor allem Max später häufig in Frage stellt: denn dort findet eine schicksalhafte Szene zwischen Ada und ihm statt....

Von "Der Entdeckung des Himmels" wurde mir schon häufig vorgeschwärmt - für mich meistens ein Umstand, der mich etwas skeptisch macht, weil ein Buch daraufhin selten meine Erwartungen erfüllen kann.

Mit diesem Roman von Harry Mulisch ging es mir jedoch glücklicherweise ganz anders: Meine Erwartungen wurden noch weit übertroffen!

Ein großartiges, komplexes Buch über eine tiefe Freundschaft, Liebe, Verrat, Vertrauen, Entfremdung, und die Frage nach der großen Aufgabe im Leben.

Zwar hatte ich nach der Geburt von Quinten, diesem etwas zu perfekten Kind, doch manchmal das Gefühl, eine kleine Straffung des Textes hätte nicht geschadet, oder ein paar weniger engelsgleiche Eigenschaften für den Knaben - doch dem Gesamteindruck tat dies keinen Abbruch.

Ich kann es aus ganzem Herzen weiterempfehlen!

Harry Mulisch

Harry Mulisch wurde am 29. Juli 1927 in Haarlem als Sohn eines ehemaligen Offiziers aus Österreich-Ungarn und einer Jüdin aus einer Frankfurter Familie geboren. Als Schritsteller bekannt wurde er 1983 mit dem Roman "Das Attentat", das die Zeit der deutschen Besatzung in den Niederlanden thematisiert. Den Höhepunkt seines Schaffens erlebte er 1992 mit dem Roman "Die Entdeckung des Himmels". Harry Mulisch erlag am 30. Oktober 2010 in Amsterdam seinem Krebsleiden.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:

  • Archibald Strohalm
  • Der Diamant
  • Schwarzes Licht
  • Das steinerne Brautbett
  • Selbstportrait mit Turban. Autobiografischer Roman
  • Strafsache 40/61, Reportage über den Eichmann-Prozess in Jerusalem
  • Die Zukunft von gestern, Betrachtungen über einen ungeschriebenen Roman
  • Das sexuelle Bollwerk, Sinn und Wahnsinn von Wilhelm Reich
  • Zwei Frauen
  • Höchste Zeit
  • Augenstern
  • Die Elemente
  • Die Entdeckung des Himmels
  • Vorfall
  • Das Standbild und die Uhr
  • Die Prozedur
  • Das Attentat
  • Das Theater, der Brief und die Wahrheit. Ein Widerspruch
  • Siegfried

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Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

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