Harry Mulisch - Zwei Frauen

Originaltitel: Twee Vrouwen
Roman. Rowohlt Verlag 1975
179 Seiten, ISBN: 3499226596

Laura ist 35, arbeitet im Museum und ist seit einigen Jahren vom Theaterkritiker Alfred geschieden, weil sie keine Kinder bekommen kann. Frauen hatten sie bislang noch nie interessiert - bis sie eines Tages Sylvia auf der Straße sieht, sie anspricht, mit nach Hause nimmt - und sie bittet, zu ihr zu ziehen.

Anfangs brauchen die Beiden nur einander, und Laura versteckt ihre Liebe nicht. Als Sylvias Mutter zu Besuch kommt, mimt Laura die Mutter von Sylvias Verlobten - den konservativen Eltern wurde die Wahrheit natürlich vorenthalten. Auch ihrer eigenen Mutter, die in Nizza lebt, würde Laura nur ungern die Wahrheit sagen - doch als bei einem Besuch plötzlich auch Sylvia auf der Bildfläche erscheint, weiß die Mutter Bescheid und geht mit dem Stock auf Sylvia los.

Doch dann, urplötzlich, verlässt Sylvia Laura - um mit Alfred zusammenzuleben.

Für Laura bricht eine Welt zusammen. Sie verzweifelt völlig, magert schrecklich ab - und weiß die ganze Zeit, dass Sylvia die Liebe ihres Lebens bleiben wird.

Als sie den Entschluss fasst, gegen sich selbst und ihr Gefühl anzukämpfen, steht Sylvia plötzlich vor der Tür.....

Ein kleines, aber sehr sehr feines Büchlein.

Die Emotionen Lauras, der Ich-Erzählerin, werden zwar aus einer zeitlichen auch emotionalen Distanz erzählt - und fesseln trotzdem oder gerade deswegen so stark.

Das Buch liest sich zudem leicht und relativ schnell - und bietet dennoch eine Menge Anhaltspunkte, über die nachzudenken sich lohnt.

Trotzdem denke ich eigentlich, dass für einen Menschen, so wie Laura geschildert wird, die Entdeckung der eigenen Homosexualität bzw. der Liebe zu einer Frau eine größere Erschütterung hervorruft, als es hier geschildert wird. Hier wird eigentlich mehr die Reaktion der gesamten Umwelt vorgeführt.

Harry Mulisch

Harry Mulisch wurde am 29. Juli 1927 in Haarlem als Sohn eines ehemaligen Offiziers aus Österreich-Ungarn und einer Jüdin aus einer Frankfurter Familie geboren. Als Schritsteller bekannt wurde er 1983 mit dem Roman "Das Attentat", das die Zeit der deutschen Besatzung in den Niederlanden thematisiert. Den Höhepunkt seines Schaffens erlebte er 1992 mit dem Roman "Die Entdeckung des Himmels". Harry Mulisch erlag am 30. Oktober 2010 in Amsterdam seinem Krebsleiden.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:

  • Archibald Strohalm
  • Der Diamant
  • Schwarzes Licht
  • Das steinerne Brautbett
  • Selbstportrait mit Turban. Autobiografischer Roman
  • Strafsache 40/61, Reportage über den Eichmann-Prozess in Jerusalem
  • Die Zukunft von gestern, Betrachtungen über einen ungeschriebenen Roman
  • Das sexuelle Bollwerk, Sinn und Wahnsinn von Wilhelm Reich
  • Zwei Frauen
  • Höchste Zeit
  • Augenstern
  • Die Elemente
  • Die Entdeckung des Himmels
  • Vorfall
  • Das Standbild und die Uhr
  • Die Prozedur
  • Das Attentat
  • Das Theater, der Brief und die Wahrheit. Ein Widerspruch
  • Siegfried

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Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

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