Walter Mosley - Auf Abwegen

Originaltitel: Bad Boy Brawley Brown
Roman. Argon Verlag 2003
320 Seiten, ISBN: 387024612X

Anfang der sechziger Jahre gab es in der schwarzen Gemeinde von Los Angeles noch keine schwarzen Privatdetektive. Es gab nur Männer wie Easy Rawlin, die "sich umhörten", wenn es Probleme gab. Doch seit einiger Zeit hatte Easy diesen Job an den Nagel gehängt, in dem er sich häufig nicht mehr nur am Rande der Legalität aufgehalten hatte; den beiden Kindern, die er aufgenommen hatte, wollte er ein gutes, sicheres Zuhause bieten.

Trotzdem konnte er nicht nein sagen, als sein alter Freund John ihn bat, den Sohn seiner Lebensgefährtin aufzuspüren; Brawley Brown war in schlechte Gesellschaft geraten, und die Familie befürchtete, dass er sich in etwas verwickeln lassen würde, das ihn einige Jahre Freiheit kosten könnte.

Die ersten Menschen, so nannte die Gruppierung sich, der Brawley sich angeschlossen hatte; eine Partei, die dafür kämpfte, dass die Schwarzen endlich Gleichberechtigung erfahren würden, dass Schulen gebaut würden. Doch dieser Weg erschien manchen Mitgliedern als zu langsam; eine kleine Splittergruppe wollte das Ziel mit Gewalt erreichen, und dazu gehörte auch Brawley.

Irgendetwas war faul an der ganzen Angelegenheit, das hatte Easy im Gespür. Und wenn er sich wirklich um Brawley kümmern wollte, würde er selbst auch tiefer hineingezogen werden, als es ihm lieb sein konnte ...

Einerseits war das ein klassischer Krimi mit coolem Helden, der immer ein wenig schlauer ist als alle um ihn herum, der sich durch die Schwierigkeiten durchlaviert, und von der Gefahr nur gekratzt, aber nicht getroffen wird. Erotischen Versuchungen ist er natürlich auch fortwährend ausgesetzt; sex and crime in Reinkultur.

Was diesen Krimi für mich aber deutlich aus der Masse hervorgehoben hat ist der gesellschaftliche Hintergrund, der atmosphärisch sehr dicht geschildert wird; es ist die Zeit kurz vor Ausbruch der Krawalle, es zeigt, wie sich einige der Gruppierungen zusammengesetzt hatten, welche Beweggründe ausschlaggebend waren, wie der Druck so hoch werden konnte.

Dass der Plot dazu noch spannend und straff erzählt ist, ist ein weiterer Pluspunkt - eine Empfehlung!

Walter Mosley

Walter Mosley, geboren 1952 in Los Angeles, wurde 1990 mit seinem ersten Roman schlagartig bekannt: Teufel in Blau wurde nicht nur von Präsident Clinton zur Lektüre empfohlen, sondern auch mit Denzel Washington erfolgreich verfilmt. Sechs weitere erfolgreiche Fälle für Easy Rawlins folgten und machten Walter Mosley zu einem der angesehensten Krimiautoren in Amerika. Er lebt mit seiner Frau in New York.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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