Originaltitel: Water, Carry Me
Roman. Droemer 2000
311 Seiten, ISBN: 3426621347

Ein tragischer Verkehrsunfall hat Una Moss schon früh die Eltern geraubt; bei ihrem Großvater in Cobh war sie daraufhin aufgewachsen, in einer kleinen Hafenstadt, in der ihr nur ihr Großvater nichts mit dem Wasser zu tun zu haben schien. Doch zumindest finanziell hatten ihre Eltern vorgesorgt: es würde ihr an nichts fehlen, mit fünfundzwanzig würde sie ein Vermögen erben - doch bis dahin war das Geld in festen Händen. Natürlich besuchte sie weiterhin die teure Privatschule, in die sie zuvor gegangen war, blieb mit ihren Kindheitsfreundinnen eng verbunden.
Diese enge Freundschaft bleibt auch bestehen, als ihre drei Freundinnen Fallon, Collie und Gaynor gemeinsam eine Studentenwohnung beziehen, Una aber weiterhin bei ihrem Großvater bleibt. Aber trotzdem bleiben noch genug Abende, die gemeinsam im Pub verbracht werden, Getratsche über Männer, über die unschuldigen Träume, die sie haben.
Neben ihren drei bildhübschen, sehr weiblichen Freundinnen fühlt Una mit ihrer knabenhaften Figur sich oft als Mauerblümchen; doch dann kommt Aidan, und hat nur Augen für sie, lässt sich durch ihre ablehnende Haltung zum Beginn nicht abschrecken und gewinnt schließlich ihr Herz ganz und gar.
So schön könnte ihr Leben jetzt sein - doch Frieden ist in Irland nur begrenzt möglich. Im Kleinen merkt sie es, als ihre Freundinnenclique aufgrund eines Mannes auseinanderfällt - und im Großen holt der Irlandkonflikt sie ein.
Zwei der besten Freunde ihres Großvaters werden angeklagt, Waffen in den Norden geschmuggelt zu haben - und auch ihr Großvater selbst soll darin verwickelt gewesen sein. Langsam, aber sicher wird Una klar, dass ihr in der Vergangenheit vieles ferngehalten wurde, dass ihre Familie tiefer in den Konflikt verwickelt ist, als sie sich das jemals hätte vorstellen können...
Bücher über Irland sind (neben den Südstaaten der USA) für mich immer wieder ein Leseanreiz - in Irland dadurch verstärkt, das ich hoffe, dadurch vielleicht ein kleines bisschen mehr von dem Wahnsinn des Terrors begreifen zu lernen.
In dieser Hinsicht hat "Wasser, trage mich" meine Erwartungen nicht ganz erfüllen können. Zwar ist der Irland-Konflikt ein zentrales Thema, dominiert vor allem den zweiten Teil des Buches ganz massiv, aber das, was mich daran interessiert blieb weitgehend ausgespart, die psychologische Entwicklung war für mich hier nicht überzeugend. Da ein näheres Eingehen auf die Details anderen Lesern bereits zu viel verraten würde, sei die Diskussion darüber ins Forum verlagert.
Die Liebesgeschichte, die einen großen Teil des Buches dominiert, war mir oft zu gewollt poetisch - doch was mir an dem Buch wirklich sehr gut gefallen hat war die Schilderung des Verhältnisses der Freundinnen untereinander. Das Feststellen, dass Kinderfreundschaften, so eng sie auch sein mögen, irgendwann zumindest Risse bekommen, und wie mit diesen Rissen umgegangen wird, das hat mich persönlich sehr berührt.
Wenn möglich sollte man das Buch im Original lesen; auch für weniger vokabelfeste Leser ist das leicht lesbar, und hier wird gerade im Dialog sehr viel mit dem Unterschied zwischen Umgangssprache und Hochsprache gearbeitet, der in der Übersetzung etwas verloren gegangen ist, der viel vom Charme des Buches ausmacht.
Thomas Moran, geb. 1949, amerikanischer Journalist und Schriftsteller
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