Brian Moore - Kalter Himmel

Originaltitel: Cold Heaven
Roman. Diogenes 1992
334 Seiten, ISBN: 3257226845

Marie und Alex Davenport machen Urlaub in Nizza. Bei einem Badeunfall wird Alex schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert - wo man Marie wenige Stunden später mitteilt, er wäre an seinen Verletzungen verstorben. Aber als sie am nächsten Tag ins Krankenhaus zurückkommt, ist die Leiche verschwunden….

Ganz geschockt zurück im Hotel bemerkt sie, daß Alex´ Flugticket, Geld, seine Koffer weg sind - hastig bucht sie ihren eigenen Rückflug nach New York, und entdeckt auch hier überall Spuren seiner Gegenwart.

Zudem fühlt sie sich schuldig - der Unfall passierte genau am Jahrestag nach jenem Ereignis in Carmel, das sie seither mit Albträumen verfolgt.

Ist es Zufall, daß Daniel, ihr Geliebter, dessentwegen sie Alex verlassen will, ausgerechnet einen Treffpunkt in Carmel vorschlägt?

Dort findet sich auch Alex plötzlich ein - er ist in einem schrecklichen Zustand, dürfte medizinisch betrachtet gar nicht mehr am Leben sein, und leidet unter extremen Verfolgungswahn.

Daniel kommt Marie zu Hilfe - sie bringen Alex ins Krankenhaus. Dennoch fühlt sie sich immer mehr in die Enge getrieben - ausgerechnet hier in Carmel trifft sie auf den seltenen Orden, der ihre Schule geleitet hatte, Pfarrer Niles taucht überall auf, im Krankenhaus, im Motel, auf der Straße…

Und sie scheinen Einfluß auf Alex´ Gesundheitszustand nehmen zu können, der sich verbessert oder verschlechtert, je nachdem ob sie die an sie gestellten Erwartungen erfüllt oder nicht.

Verzweifelt muß sie mitansehen, wie ihr jede Handlungsfreiheit genommen wird, die Schlinge sich immer weiter zuzieht… Die ersten 100 Seiten habe ich geradezu verschlungen. So spannend war das geschrieben, so neugierig war ich darauf, welches furchtbare Erlebnis Marie da vor einem Jahr hatte, warum Alex verschwunden ist. Auch nachdem Alex wieder auftaucht, bleibt die Spannung - wer trachtet ihm nach dem Leben? Was muß Marie denn machen, damit "die" Ruhe geben, ihn am Leben lassen? Hat das alles etwa mit dem Forschungsprojekt zu tun, an dem Alex arbeitet - Aufhebung des Alterungsprozesses? Auch wenns im Buch nie direkt angesprochen wurde, aber ich dachte an Selbstversuch etc.

Als ich dann wußte, worum es sich bei diesem Ereignis handelte, mußte ich das Buch erstmal enttäuscht weglegen. Na gut.. Ist halt nicht meine Thematik, mit Marienerscheinungen und Gottesgerichten kann ich nicht sooo viel anfangen.
Allerdings war das Buch so gut geschrieben, daß ich es trotzdem in einem Rutsch ausgelesen hatte. Auch wenn mich das ganze Drumherum nicht mehr so angesprochen hatte - es war ganz einfach verdammt gut geschrieben!

Die Figuren sind so toll gezeichnet, zum Teil überzeichnet - der Monsignore mit seiner reichen Gemeinde, der sich hauptsächlich für Golf etc. interessiert; sein Vetter Pfarrer Niles, ein unangenehmer, schnüffelnder, neugieriger Zeitgenosse - das waren für mich die Highlights.
Vom Schreibstil und Moores Fähigkeit, den Leser zu fesseln, hätte das Buch 4 Sterne verdient - aber weil mir die Hauptgeschichte trotzdem nicht sonderlich zusagt, bleiben nur 3.

2010 wurde der Film unter der Regie von Nicolas Roeg ("Wenn die Gondeln Trauer tragen") verfilmt. In den Hauptrollen sind Theresa Russell als Marie Davenport, Mark Harmon als Dr. Alex Davenport, James Russo als Daniel Corvin zu sehen.

Brian Moore

Brian Moore wurde 1921 in Nordirland geboren. 1948 emigrierte er nach Kanada, wo er als Reporter bei der Montreal Gazette arbeitete. 1959 zog er nach USA um, behielt jedoch die kanadische Staatsbürgerschaft. Er starb am 10. Januar 1999 in Malibu, Kalifornien.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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