Margriet de Moor - Kreutzersonate

Originaltitel: Kreutzersonate
Roman. Hanser Literatur Verlag 2002
145 Seiten, ISBN: 3423132264

Zehn Jahre nach ihrer ersten Begegnung trifft der Ich-Erzähler zufällig wieder auf Marius van Vlooten, den blinden Musikkritiker, der sich einst aus Liebe zu einer Frau eine Kugel in den Kopf geschossen hatte und statt mit dem Leben mit dem Augenlicht dafür bezahlt hatte.

Die Liebe ist dann auch eines der Themen, über die sie sich während der langen Wartezeit und dem anschließenden Flug unterhalten; nie wieder, so meint van Vlooten, werde er sich so verlieben, sich so an einen anderen Menschen verlieren, wie damals.

Sie sind beide unterwegs zu einem Musiker Workshop in Frankreich; eine intensive Woche mit Proben und zwei Abschlusskonzerten. Und der Begegnung mit Suzanna, einer jungen, ausgesprochen talentierten Geigerin. Sie probt mir ihrem Quartett Janáceks "Kreutzersonate", die dieser inspiriert von der gleichnamigen Erzählung Tolstois geschrieben hatte. Die Wirkung der Musik, die den Zuhörer für einen Moment in die Stimmung versetzt, die der Komponist einst fühlte, ist berauschend - und schon ist der Keim gelegt für ein Drama, das der literarischen Vorlage in nichts nachsteht...

Margriet de Moor trifft für mich den Ton, der Worte zu Musik werden lässt; auch hier weckt sie durch die lebendige Nachbildung der Musik den unbedingten Wunsch, die beiden Musikstücke zu hören, zu versuchen, ihren Zauber und die Kraft nachzuempfinden.

Aber natürlich ist es auch die manische Liebesgeschichte, die den Leser in Atem hält; van Vlooten, der sich wie sein von Tolstoi geschaffenes Alter Ego bald in einen wahren Rausch der Eifersucht hingibt. Das Bild, das der Blinde von seiner schönen Frau hat, nährt sich durch die Beschreibungen, die er selbst erhalten hatte. Er merkt, wie er sein Herz wieder an etwas hängt, das er nicht kontrollieren kann; in wütender Raserei versucht er zu zerschlagen, was er nicht beherrschen kann.

Erzählt wird die Geschichte von einer Randfigur, einem Zuhörer, dem sie selbst erzählt wird, bei zwei Flügen gemeinsam mit van Vlooten - und einem letzten Flug, in dem durch wenige Worte Jahre eines höllischen Ehelebens heraufbeschworen werden.

Margriet de Moor hat eine Sprachgewalt, die mich sehr gefangen nimmt; vor allem schafft sie es, Musik für mich so lebendig werden zu lassen, wie das mit Worten möglich ist. Ich habe lange darauf gewartet, wieder ein so schönes Buch von ihr in der Hand zu halten und empfehle es von Herzen weiter!

Margriet de Moor

Margriet de Moor, geboren 1941, studierte in Den Haag Gesang und Klavier. Nach einer Karriere als Sängerin studierte sie in Amsterdam Kunstgeschichte und Architektur.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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