Marga Minco - Nachgelassene Tage

Originaltitel: Nagelaten Dage
Roman. Gustav Lübbe Verlag 2000
155 Seiten, ISBN: 3785715153

Eine Geschichte, die Schilderung der Hochzeit ihrer Schwester 1942 in den Niederlanden - das ist der Grund, warum sie Jahre später plötzlich Kontakt zur Familie ihres Schwagers erhält. Denn diese Geschichte war von jemandem gelesen worden, der sich wiederum an die genannten Namen erinnerte.

Zwar ist Bettie, die kurz nach dieser Hochzeit in Auschwitz ihr Leben ließ, immer in ihrer Erinnerung präsent - doch nun sucht die Überlebende, die jüngere Schwester, die Orte wieder auf, an denen sie damals lebten.

Und sie versucht, alte Erinnerungsstücke zurück zu erhalten - Kleinigkeiten zumeist, die bei Nachbarn, als die Deportation bevorstand, "untergestellt" wurden - und nun nicht zurückgegeben werden. Plötzlich finden sie sich in der Situation wieder, auch noch beweisen zu müssen, dass es sich um die eigenen Erinnerungsgegenstände handelt.

Warum hängen wir so an Gegenständen? Glauben wir, so die Toten wieder zurückrufen zu können, vor dem Vergessen zu bewahren?

Das ist ein zentrales Thema, um das dieses schmale Buch kreist.

Es zu beschreiben fällt schwer - es sind Momentaufnahmen, Gedankensplitter, und immer wieder Erinnerungen. Und, so schlimm es für die Erzählerin auch ist - Berichte vom Vergessen, vom Verdrängen.

Ein Buch, das traurig und nachdenklich macht - und lange nachhallt.

Marga Minco

Marga Minco wurde 1920 geboren und wuchs als eines von fünf Kindern füdischer Eltern in der niederländischen Stadt Breda auf. Als einziges Mitglied ihrer Familie entging sie der Deportation durch die Gestapo und hielt sich während des Zweiten Weltkrieges in Amsterdam versteckt. 1957 veröffentlichte sie uihr erstes literarisches Werk, in den Niederlanden eines der meistgelesenen Bücher der letzten fünfzig Jahre.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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