Magnus Mills - Die Herren der Zäune

Originaltitel: The Restraint of Beasts
Roman. Suhrkamp Verlag 1999
215 Seiten, ISBN: 3518398830

Zäune für die Landwirtschaft aufzustellen ist ein lukratives Geschäft. Pfosten, Draht, alles in einer schnurgeraden Flucht, schön fest gespannt, um die Tiere in ihren Umzäunungen zu halten - Donalds Montagetrupps sind immer gut beschäftigt. Einen davon soll der Erzähler dieser Geschichte nun als Vorarbeiter übernehmen - eine Aufgabe, die sich schwieriger darstellt als erwartet.

Denn Richie und Tam sind bislang ganz gut ohne Vorarbeiter ausgekommen - dachten sie zumindest. Wenn man den Zustand ihres Werkzeugs, des Fahrzeugs und auch des Zaunes in Betracht zog, den sie zuletzt fertigstellen sollten, konnte man allerdings anderer Meinung sein.

Bevor sie also nach England aufbrechen können, um dort ein völlig neues Feld für die Zaunindustrie zu erschließen, wie Donald ihnen verkündet, müssen sie erst Mr McCrindles Zaun in den Zustand versetzen, in dem er laut ihrer Beschreibung schon längst sein sollte. Warum die Beiden so wenig Zeit wie möglich auf dem Gelände dieses Herrn verbringen wollten, war dem Erzähler schon nach wenigen Minuten klar. Was wenig später passierte, war dennoch ein Unfall...

Und dann brechen sie auf nach England. Richie und Tam ohne Geld, ohne Proviant - und so sollen sie wochenlang in einem kleinen Wohnwagen zusammenleben. Das ist nur zu ertragen, wenn man zumindest abends die Gelegenheit erhält, ins Pub zu gehen.

So sieht dann auch ihr Tagesablauf aus: arbeiten, Dosenbohnen, Pub - und dort sitzen sie im Eck und schweigen sich an. Bis sie merken, dass sie mit ihrem Zaun dem örtlichen Zaunaufsteller ins Gehege kommen...

Den Inhalt dieses Buches zu beschreiben ist eigentlich völlig überflüssig. So völlig lapidar er auf der einen Seite ist, so absurd ist er auf der anderen Seite - aber das kann man schlecht beschreiben, das muss man selbst lesen.

Wer auch nur ein wenig für typisch britischen Humor übrig hat, dem sei dieses Buch auf alle Fälle ans Herz gelegt! Alleine die Beschreibungen der Pub-Besuche sind es wert, dieses Buch zu lesen; man sieht sie förmlich vor sich, diese drei jungen Männer, von denen zwei noch dazu Schotten sind, die sich plötzlich auf englischem Boden wiederfinden, deren Dialekt nicht verstanden wird, und die eigentlich auch keinerlei Anstalten zeigen, sich mit irgendwem zu unterhalten.

So alltäglich die Geschichte auch eigentlich ist, die hier erzählt wird, denn im Wesentlichen dreht es sich um die richtige Art und Weise, Zäune aufzustellen - es hat noch nie so viel Spaß gemacht, diese an sich relativ unspannende Tätigkeit als Leser mitzuverfolgen!

Sicher nicht jedermanns Geschmack - aber ich bin mittlerweile süchtig nach den Geschichten von Magnus Mills.

Magnus Mills

Magnus Mills, 1954 geboren, lebt in London. Im Suhrkamp Verlag erschien sein erster Roman "Die Herren der Zäune", ein dritter ist in Vorbereitung. "Indien kann warten" wurde in zehn Sprachen übersetzt.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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