Richard Millet - Die drei Schwestern Piale

Originaltitel: L´amour des trois soeurs Piale
Roman. Alexander Fest 1998
287 Seiten, ISBN: 3828600549

Die Zusammenfassung des Klappentextes ist ausnahmsweise nur schwer zu übertreffen, deswegen zitiere ich hier:

Anfang der neunziger Jahre, in einer überheizten, nach Gemüsesuppe durftenden Küche, in einem Dorf mitten im französischen Limousin. Yvonne Piale, pensionierte Lehrerin, hat Besuch bekommen. Claude Mirgue, ein junger Versicherungsvertreter und entfernt mit Yvonne verwandt, möchte etwas über ihr Leben erfahren. Einen Herbst und einen Winter lang taucht er jeden Montagvormittag in den nebelhaften Dunst der Vergangenheit ein, während Wind und Regen gegen die Fensterscheiben peitschen. Geschichten über Geschichten von den drei Schwestern Piale will er hören. Yvone, Lucie und Amélie. Um ihren Stolz, ihre Liebe und ihre Sehnsucht, ihre Einsamkeit und ihr Aufbegehren kreisen die Erzählungen der Lehrerin, deren Leidenschaft schon immer die Sprache war. Ab und zu huscht Lucie, die geistig schlichte, in ihrer Unwissenheit geradezu unschuldige Schönheit, durch die Küche: nie hat sie gewußt, warum ihr Körper von so vielen Männern begehrt worden ist. Nur Amélie, die jüngste, fehlt: Die rebellische, hochmütige Frau, die vom Ozean und dunklen Wälern geträumt hat, ist Jahre zuvor ums Leben gekommen.


Naja.

Nachdem ich das Buch zu Ende gelesen hatte (wobei ich mich dazu manchmal überwinden mußte), war ich um eine etwas wirre Familiengeschichte reicher. Und um ein paar für mich sehr wichtige Fragen. Die Wichtigste: was bewegt einen jungen Mann dazu, über ein halbes Jahr lang jeden Montag eine alte Frau, ganz entfernt mit ihm verwandt, aufzusuchen, um von ihr etwas über die verstorbene Schwester zu erfahren? Ich habe nicht mal den Ansatz einer Antwort darauf erhalten.

So konstruiert wie die Rahmenbedingung der Geschichte ist auch die Sprache - im Prinzip das monotone, von Nebensätze durchsetzte Gebrabbel einer alten Frau. Nein, stimmt nicht ganz - gesprochen werden könnten derart komplizierte Satzgebilde nicht. Diese Erzählweise kann ihren Reiz haben - doch hier hat sie mich massiv gestört. Vor allem auch, weil alles in einer Leier erzählt wird, keine Veränderungen bei Höhepunkten in der Geschichte. Zudem wird auch immer wirrer, wer denn nun eigentlich erzählt: Yvonne Piale, oder doch Sylvie, seine Geliebte - und hin und wieder trägt auch Charles´ eigene Mutter ihre Version bei (noch so eine offene Frage: woher weiß sie von seinem plötzlichen Interesse? Erzählt hat er ihrs nicht...) - diese Erzählungen gehen ohne Punkt und Komma ineinander über.

Ein Buch, das mich in keiner Hinsicht fesseln konnte.

Richard Millet

Richard Millet, geboren 1953, ist im Corrèze aufgewachsen, der rauhen Landschaft der "Drei Schwestern Piale". Er lebt und arbeitet in Paris.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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